Doktorarbeit: Erst- und Zweitspracherwerb im Vergleich

Erst- und Zweitspracherwerb im Vergleich

Eine Studie zum Erwerb von Tempus und Aspekt im Deutschen und Französischen

PHILOLOGIA – Sprachwissenschaftliche Forschungsergebnisse, Band 99

Hamburg , 366 Seiten

ISBN 978-3-8300-2905-2 (Print)
ISBN 978-3-339-02905-8 (eBook)

Zum Inhalt

Wer hat sich nicht schon einmal gefragt, warum ihm das Lernen einer neuen Sprache so schwer fällt, während Kinder mit dem Erwerb ihrer Muttersprache offensichtlich keine Probleme haben. Obwohl der L2-Lerner bereits mindestens eine Sprache gelernt hat und zudem kognitiv reifer ist, verläuft der Erwerb langsamer und mühsamer. Woran liegt das? Wo genau liegen die Unterschiede zwischen Erst- und Zweitspracherwerb und wie lassen sich diese Unterschiede erklären? Diese Fragen bilden den Ausgangspunkt dieser Untersuchung zum Erwerb von Tempus und Aspekt im Deutschen und Französischen.

Die Studie ist im Rahmen der generativen Grammatiktheorie angesiedelt und geht davon aus, dass der Erstspracherwerb durch eine genetisch determinierte Spracherwerbsfähigkeit gesteuert wird. Teil dieser Spracherwerbsfähigkeit ist die Universalgrammatik (UG), die aus einem System universeller Prinzipien besteht, die parametrisiert sein können. Die Autorin nimmt an, dass die UG nur in einem bestimmten Alterszeitraum zur Verfügung steht und dass erwachsene Zweitsprachenlerner in Folge von neurologischer Entwicklung nur noch eingeschränkten Zugriff darauf haben.

Zur Überprüfung dieser Hypothese werden Sprachdaten von Deutsch-Französisch bilingualen Kindern und erwachsenen Lernern des Deutschen bzw. des Französischen kontrastiv untersucht. Die Untersuchung fokussiert auf den Erwerb von Tempus und Aspekt, da insbesondere die französischen Vergangenheitsformen und ihre Verwendung zu den am schwierigsten zu erlernenden grammatischen Phänomenen zählen. Zur Analyse der Daten wurde ein Modell (Giorgi & Pianesi 1997) verwendet, in dem sowohl semantische als auch morphosyntaktische Eigenschaften von Tempus und Aspekt berücksichtigt werden. Die Untersuchung zeigt, dass es große Unterschiede zwischen Erst- und Zweitspracherwerb gibt. Beispielsweise verwenden die L2-Lerner anders als die L1-Lerner Konstruktionen aus Auxiliar und Infinitiv/Präsensform, in denen das Hauptverb nicht morphologisch für Tempus markiert ist und dennoch Tempus- und Aspektfunktionen übernimmt. Zum anderen hat sich in den L2-Daten gezeigt, dass sehr häufig Präsensformen und Infinitive in Vergangenheitskontexten verwendet werden. Die aspektuellen Unterschiede zwischen den französischen Vergangenheitsformen pass? compos? und imparfait werden selbst von sehr weit fortgeschrittenen L2-Lernern nur unvollständig erworben. Diese Unterschiede im Vergleich zum L1-Erwerb werden dahingehend interpretiert, dass die angeborene Spracherwerbsfähigkeit, wie vermutet, nur noch teilweise zugänglich ist. Es wird erläutert, an welchen Stellen sie nach wie vor wirksam ist und wo andere Mechanismen, wie zum Beispiel Transferstrategien und allgemeine kognitive Prinzipien, zum Einsatz kommen.

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