Dissertation: Qari:at Sadu:s

Qari:at Sadu:s

Prinzipien der Planung und Gestaltung einer Ortschaft in Zentralarabien

In zwei Bänden
Im Schuber, Fadenheftung, Goldprägung
1.478 Abbildungen, darunter viele Karten zum Ausklappen sowie
9 herausnehmbare großformatige Pläne
Format 300 x 220 mm

EX ARCHITECTURA – Schriften zu Architektur, Städtebau und Baugeschichte, Band 1

Hamburg 2007, 608 Seiten
ISBN 978-3-8300-2900-7 (Print), ISBN 978-3-339-02900-3 (eBook)

15. Jahrhundert, 20. Jahrhundert, Archäologie, Baustoffe, Bautechnik, Gebäudetypen, Kulturwissenschaft, Lehmbauten, Lüftung, Qari:at Sadu:s, Quariat Sadus, Saudi Arabien, Sozialstruktur, Verteidigungsanlagen, Wärmeschutz, Zentralarabien

Zum Inhalt

Quariat Sadus ist eine jahrhundertealte Ortschaft im Hochland Saudiarabiens. Die in lebendiger Tradition und aus Erfahrung der dort lebenden Menschen geschaffenen Lehmbauten entstammen einer Periode zwischen dem 15. und 20. Jahrhundert. Die Altstadt wurde 1446 auf Ruinen einer früheren Bausubstanz (Stadtgefüge der ursprünglichen Ortschaft aus vorislamischer Zeit) als Neugründung geschaffen, und in den folgenden Jahrhunderten den historischen Entwicklungen entsprechend erweitert und ausgebaut. Drei in diesem Werk ebenfalls untersuchte Ortsteile entstanden im Zeitraum zwischen 1890 und 1941. Die Lehmbauten sind heute dem Verfall preisgegeben, da die modernen Lebensumstände nach der Entdeckung und Nutzung der Ölvorkommen des Landes neue Anforderungen stellen und früher unverzichtbare Werte scheinbar nutzlos machen.

Der Verfasser, der in einem städtebaulichen Großprojekt der Regierung des Königreiches Saudi-Arabien tätig war, begann im Jahre 1982 mit einer Untersuchung der vorgefundenen Bausubstanz, um moderne, zu dieser Zeit im Lande angewendete Planungs- und Baumethoden mit überlieferten Techniken und Grundideen vergleichen zu können.

Zu Grunde gelegt sind eine in Sadus durchgeführte maßliche und zeichnerische Bestandsaufnahme aller Straßen und Gebäude von vier Ortsteilen (mehr als 1400 Zeichnungen), sowie mündliche Recherchen in der Bevölkerung.

Vergleichende Untersuchungen des erarbeiteten Materials werden unter verschiedenen Aspekten vorgenommen. Geographische, klimatische, technisch-konstruktive, historische, juristische und sozial-ethische Gegebenheiten finden hierbei ihre Berücksichtigung.

Trotz der Vielfalt individueller Lösungen der unterschiedlichen Bauafgaben sind bestimmte Gemeinsamkeiten festzustellen, die als Prinzipien bezeichnet werden können.

Die historische Entwicklung, die sich an der Bausubstanz der vier zu verschiedenen Zeitpunkten errichteten Ortsteile ablesen lässt, zeigt hierbei Grundlagen auf, die zum Einen von alter Tradition und Erfahrung, zum Anderen vom Eindringen moderner technischer Entwicklung geprägt und beeinflusst sind.

Die Nutzung am Ort vorkommender Materialien, auch bei sich wandelnder Anwendungstechnik, war bis zu dem Zeitpunkt bestimmend, zu dem moderne Verkehrsmittel und Verbindungsstraßen sowie die Nutzung neuer Kommunikationsmedien das Bauen mit importierten Mitteln ermöglichten und ablösten.

Schutzeinrichtungen zum Zwecke der Verteidigung von Menschen und Besitz, wie sie in der Gestaltung von Mauern und Türmen geschaffen wurden, sind nach der Befriedung des Landes durch die Staatsgründung des Königs Abdul Aziz Al-Saud ohne Bedeutung.

Juristische und sozial-ethische Prinzipien behielten jedoch ihren unverzichtbaren Wert. Die sorgfältige Betrachtung von deren Grundlagen in den überlieferten Schriften des Koran und der Sunna, sowie deren praktische Anwendung in den als Scharia bezeichneten Rechtsauslegungen zeigen auf, dass sowohl die Nutzung von Grund und Boden als auch die Schaffung von Straßen, Häusern, Nachbarschaften und Ortsteilen bestimmten Regeln folgten, die nicht als Gesetze einer herrschenden oder verwaltenden Behörde erlassen wurden, sondern als Basis einer sozialen Gesinnung dem einzelnen Gemeindemitglied für selbstverantwortliche Entscheidungen zur Verfügung standen.



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