Dissertation: Intertextualität beim Erwerb einer fremden Fachsprache

Intertextualität beim Erwerb einer fremden Fachsprache

Angewandte Linguistik aus interdisziplinärer Sicht, Band 11

Hamburg , 492 Seiten

ISBN 978-3-8300-2784-3 (Print)
ISBN 978-3-339-02784-9 (eBook)

Zum Inhalt

Wenn Fach und Sprache für Studenten neu sind: Wie schaffen sie es
trotzdem, im Studium erfolgreich zu sein? Dieses Buch zeigt einen ge-
lungenen Fachsprachenunterricht „Deutsch für (nicht deutschsprachige)
Wirtschaftsstudenten“. Die mehrmonatigen Audioaufnahmen des Unter-
richts belegen, was Sprachlehrer und Lerner machen, um einen sprach-
lich und fachlich anspruchsvollen Text (ein Fachbuch) zu verstehen. Der
Lehrer fördert durch bestimmte Frage- und Aufforderungstechniken eine
intensive Auseinandersetzung mit dem „schwierigen“ Fachtext. Er un-
terstützt das Sprechen mit und über den Fachtext, ist aber kein Nach-
hilfelehrer für das Fach.

Das gemeinsame laute Lesen von Texten und unmittelbare Sprechen
darüber stehen im Mittelpunkt. Die Beziehung zwischen dem mündlich-
en und dem geschriebenen Text – die Intertextualität – zeigt sich an-
hand dreier Tätigkeiten: Die Studenten ver-lesen sich beim lauten Le-
sen, sie zitieren aus dem Fachtext und sie paraphrasieren das vorher
laut Gelesene. Sie integrieren durch diese drei Handlungsformen frem-
de und eigene Rede. Das Ver-Lesen zeigt, wo und wie früher Gelern-
tes (sprachliches Wissen) beim lauten Lesen eines neuen Textes „stört“.
Beim Zitieren werden sprachliche Elemente aus dem Fachtext mehr oder
weniger nahtlos ins eigene Sprechen übernommen: je geringer ein
Bruch, desto besser ist ein Zitat integriert. Das Paraphrasieren bein-
haltet die Haltung des Sprechers gegenüber dem Fachtext: Die Um-
schreibung dessen, was man gelesen hat, wird durch einleitende Sig-
nale (sog. Markern oder Formeln) begleitet. Sie zeigen Einstellungen,
die von einer neutral zusammenfassenden bis hin zu einer hypothe-
tisch kritischen Haltung gegenüber dem Text reichen.

Der Intertextualitätsbegriff dieser Untersuchung geht auf ein poststruk-
turalistisches Verständnis zurück und wird für die Spracherwerbsfor-
schung zugänglich gemacht: Es geht um die Tätigkeit eines Lesers,
wenn er die Bedeutung eines Textes ergründet und gleichzeitig neu
erzeugt. Altes und neues Sprachwissen verbinden sich verlangsamt
und schrittweise. Die „Verlangsamung“ des Lesens durch das Lautieren,
durch die Wiederholung und die Paraphrase erhöht die Aufmerksamkeit
und das Bewusstsein der Lerner gegenüber der Sprache. Das Spiel mit
der Bedeutung ist eröffnet und schärft Blick und Ohr für neue Fragen an
den Text und (infolgedessen) auch seinen Autor.

Die Studie stellt ein Credo an eine sinnvolle Verbindung von Spracher-
werbsforschung, Didaktik und Fachkommunikation dar. Sie unterstreicht
die Notwendigkeit von Untersuchungen des (Sprach-)Unterrichts und der
Rückführbarkeit ihrer Ergebnisse in die Praxis.

Ihr Werk im Verlag Dr. Kovač

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