Dissertation: Ludwig Hassenpflug: Staatsmann und Jurist zwischen Revolution und Reaktion

Ludwig Hassenpflug: Staatsmann und Jurist zwischen Revolution und Reaktion

Eine politische Biographie

Studien zur Geschichtsforschung der Neuzeit, Band 50

Hamburg , 588 Seiten

ISBN 978-3-8300-2764-5 (Print)
ISBN 978-3-339-02764-1 (eBook)

Zum Inhalt

Ludwig Hassenpflug war zweifellos der bedeutendste, aber auch der umstrittenste kurhessische Staatsmann des 19. Jahrhunderts. Wie kaum ein anderer rief der engagierte Verfechter einer restaurativen Staatsidee Hallerscher Prägung Widerspruch hervor und polarisierte durch seine politische Haltung sowie sein persönliches Auftreten die öffentliche Meinung. Während Bismarck ihn einen „großen Konservativen“ nannte, schmähten seine Widersacher ihn als Herrn von „Haß und Fluch“ oder als der „Hessen-Fluch“.

Schon während seiner ersten Ministerzeit von 1832 bis 1837 hatte der einstige Richter am Kasseler Oberappellationsgericht durch seine unnachgiebige Haltung in der Auseinandersetzung mit der liberalen Ständemehrheit auch außerhalb Kurhessens für Aufsehen gesorgt. Nicht zuletzt die gegen ihn geführten spektakulären Ministeranklagen - bis dahin ein Novum in der deutschen Verfassungsgeschichte - machten ihn bald zu einer in ganz Deutschland bekannten Persönlichkeit.

Als Schwager der Brüder Grimm sowie als Bekannter, Berater und Freund des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV., der Brüder Gerlach, Friedrich Julius Stahls und Joseph Maria von Radowitz verband Hassenpflug zudem eine tiefe Zuneigung zu Preußen, wo er von 1840 bis 1850 als Richter am Berliner Obertribunal und als Präsident des Appellationsgerichts Greifswald tätig war. Seinen politischen Tatendrang vermochten diese herausgehobenen Positionen im preußischen Justizdienst jedoch nicht zu befriedigen, so dass der Jurist Hassenpflug alsbald wieder in die Rolle des Staatsmanns wechselte und von 1850 bis 1855 erneut als Innen- und Justizminister die Leitung der kurhessischen Staatsregierung übernahm.

Der kurhessische Verfassungskonflikt des Jahres 1850, ausgelöst durch die Auseinandersetzung des Ministeriums Hassenpflug mit den oppositionellen Ständen, hatte schon für Zeitgenossen „sensationellen Charakter“, sowohl aufgrund der innen-, als auch der außenpolitischen Verwicklungen. So gilt die Normenkontrollentscheidung des Kasseler Oberappellationsgerichts vom 12. September 1850 ebenso als ein verfassungshistorischer Meilenstein wie die unter Berufung auf den Verfassungseid erfolgte Gehorsamsverweigerung des kurhessischen Offizierskorps. Durch das militärische Eingreifen Preußens und Österreichs in den eskalierenden Konflikt schien schließlich ein deutscher, ja, infolge der Einmischung Russlands, ein europäischer Krieg auf hessischem Boden fast unvermeidlich. Zu diesem Zeitpunkt waren Hassenpflug zwar die Zügel des außenpolitischen Agierens längst entglitten, den nach dem Abschluss der Olmützer Punktation gewonnen weiten innenpolitischen Handlungsspielraum nutzte er jedoch konsequent, um gemeinsam mit den Bundeskommissaren die liberale kurhessische Verfassung von 1831 einer Totalrevision zu unterziehen.

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