Doktorarbeit: Masken, Lügen, Demaskierung - Zur Ethnographie des Alltags

Masken, Lügen, Demaskierung - Zur Ethnographie des Alltags

SOCIALIA – Studienreihe soziologische Forschungsergebnisse, Band 74

Hamburg 2006, 328 Seiten
ISBN 978-3-8300-2241-1 (Print & eBook)

Ethnographie, Interaktion, Lüge, Mikrosoziologie, Soziologie, Täuschung, Wahrhaftigkeit, Wahrheit

Zum Inhalt

Was geht in lügenbehafteten Alltagsinteraktionen genau vor? Das bisher weitgehend unbeforschte Feld wird durch detaillierte Deskriptionen und kleinteilige Analysen aus einer ethnomethodologischen Perspektive erhellt.

Weil die Lüge als empirischer Gegenstand mit besonderen Schwierigkeiten verbunden ist, muss dabei ein in methodischer Hinsicht besonderer Weg gegangen werden. Die Frage nach den Vorgängen in lügenbehafteten Alltagsinteraktionen wird so mit einer Typologie lügenbehafteter Alltagsinteraktionen beantwortet. Grundsätzlich wird in Lügeninteraktionen ein übergeordnetes kommunikatives Problem behandelt. Dieses besteht darin, dass die Akteure auf Interaktionsebene widersprüchliche Realitäten vertreten. Und dieser Widerspruch wird mit dem Vorliegen einer Lüge erklärt. Bei der Verhandlung dieses Problems tritt dann ein bestimmter Aspekt in den Vordergrund, nach dem die Typen der Lügeninteraktion zu unterscheiden sind.

Sie zeigen zum einen, dass Lügeninteraktionen in besonderer Weise fragil sind. Weil ihnen die Infragestellung der Realitätsdarstellung des anderen immanent ist, sind lügenbehaftete Situationen mit Verunsicherungen verbunden. Denn die Fraglosigkeit des Alltags gilt nicht mehr uneingeschränkt. Akteure können weniger routinisiert agieren, wenn eine Situation nicht einheitlich und mühelos definiert werden kann. Zum anderen zeigen die Typen der alltäglichen Lügeninteraktion auch, dass Alltagswissen zur Bewältigung dieser diffizilen Situationen besteht. Lügen gehören nämlich zum Alltag und dementsprechend sind auch Routinen vorhanden, wie sie zu verhandeln sind. Spezifisch für Lügeninteraktionen ist aber, dass mit diesen Routinen nur eine vergleichsweise niedrige Interaktionssicherheit gewonnen werden kann.

Es wird also eine grundlegende Frage beantwortet: Was geht in Lügeninteraktionen vor? Mit anderen Worten: Welche Methoden verwenden Akteure in Situationen, in denen Lügen verhandelt werden? Damit wird ein neuer Blickwinkel auf Lügenphänomene eröffnet. Während in der bislang vorliegenden Literatur die Betrachtung von Lügen als punktuelle Erscheinung aus verschiedensten Perspektiven geleistet wurde, wird hier nun die Lüge als Interaktion untersucht. Das heißt, dass die Analyse der Lüge durch eine zeitliche Komponente erweitert wird. Und diese ist ein wichtiges Merkmal der Lüge im Alltag. Denn wie gezeigt wird tritt eine Lüge im Alltag da auf, wo sie verhandelt wird. Und sie hat damit Konsequenzen für den Verlauf einer Situation.



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