Doktorarbeit: Selbstorganisation Jugendlicher und ihre Förderung durch kommunale Jugendarbeit

Selbstorganisation Jugendlicher und ihre Förderung durch kommunale Jugendarbeit

Zur Rekonstruktion professionellen Handelns

Sozialpädagogik in Forschung und Praxis, Band 14

Hamburg , 232 Seiten

ISBN 978-3-8300-2064-6 (Print)
ISBN 978-3-339-02064-2 (eBook)

Rezension

[...] ist der Band gut geeignet, in Lehrveranstaltungen mit dem Schwerpunkt "Berufliche Identitäten und Identitätsbildungen in der Sozial- und Jugendarbeit" zum Einsatz gebracht zu werden.

Zum Inhalt

Junge Menschen, die sich am Buswartehäuschen treffen, im Jugendraum „wild Party feiern“ oder die Bänke um die Dorflinde (jedenfalls einen zentralen Ort im Gemeinwesen) bevölkern – wer kennt sie nicht? Jugendliche, die sich in dieser oder einer ähnlichen Form selbstorganisieren, als Clique entwickeln und ihre Interessen und Konflikte mit dem Umfeld aushandeln und hierbei von Profis der kommunalen Jugendarbeit unterstützt werden, bilden den Ausgangspunkt der Untersuchung, die Peter-Ulrich Wendt vorgelegt hat. Im Rahmen seiner qualitativen Studie (die in der vorliegenden Publikation auf die empirischen Befunde verdichtet wurde) hat er nahezu 100 in der offenen Jugendarbeit tätige (sozial-) pädagogische Fachkräfte befragt: zu ihren Erfahrungen mit den Versuchen Jugendlicher, sich selbst zu organisieren, und der Art und Weise, diese Prozesse zu unterstützen. Im Focus stand dabei die Frage, ob sich ein verbindender Handlungsmodus der Fachkräfte rekonstruieren liesse, wie diese auf die jugendlichen Selbstorganisationsprozesse reagieren. Damit wird eine Forschungslücke geschlossen, denn vergleichbare Beiträge zur Forschung über hauptamtlich in der Jugendarbeit Tätige fehlen.

Als bestimmendes Resultat der Untersuchung kann bilanziert werden, dass es einerseits zwar kein verbindendes Handlungsmuster der Selbstorganisationsförderung gibt (nach dem Motto: „so ist es“), andererseits aber ein allgemeiner Handlungsrahmen identifiziert werden konnte, nachdem sich Selbstorganisationsförderung als Navigation im Feld charakterisiert. Dabei konnten Einschätzungen, Positionen und Strategien sowie zu Handlungsweisen (sog. „Prozeduren“ und „Interaktionen“) verdichtete Formen des Handelns der Fachkräfte identifiziert werden: einerseits gegenüber den Jugendlichen selbst und andererseits gegenüber der Umwelt, auf die sich das Handeln der Fachkräfte beziehen muss, um die Selbstorganisationsversuche der Jugendliche unterstützen zu können. Illustriert wird dieses Handeln in Gestalt von vier akteurstypenbezogenen Fallstudien, die einen besonders nachhaltigen Einblick in das Handelns der Profis erlauben.

Deutlich wird, dass sich das konkrete soziale Handeln innerhalb dieses allgemeinen Handlungsrahmens der Navigation stets unterschiedlich ausgestaltet und dabei offenbar in hohem Maße erfahrungsgestützt und nicht methodisch konventionalisiert ist. Zwar spielen methodisch abgestützte Prozesse eine Rolle, doch nicht in erster Linie. Das Handeln der Fachkräfte folgt im Feld der Selbstorganisationsförderung ganz offensichtlich in der Regel nicht solchen methodischen Prinzipien, sondern erweist sich eher als reflexiver Prozess. Ihr Handeln kann meist nicht auf methodisch abgesicherte Routinen zurückgreifen, da jede Situation für sich neu ist und ein flexibles Handeln notwendig macht. Der zentrale Befund der Untersuchung ermöglicht Schlussfolgerungen in Bezug auf das erforderliche Wissen und Können in der Jugendarbeit Tätiger und deren Orientierung auf das Gemeinwesen, in dem sie handeln.

Zum Autor

Dr. Peter-Ulrich Wendt, Politikwissenschaftler, Soziologe und promovierter Pädagoge, ist seit nahezu 25 Jahren in der außerschulischen Jugendarbeit tätig (derzeit als Jugendreferent und Abteilungsleiter in einem städtischen Jugendamt); seit 1986 nimmt er darüber hinaus Lehraufträge in der außerschulischen Jugend- und Erwachsenenbildung, an der Georg-August-Universität Göttingen und der Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel (Fachbereich Sozialwesen) wahr.

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