Forschungsarbeit: Neoliberalismus – Freiheit und struktureller Zwang

Neoliberalismus –
Freiheit und struktureller Zwang

Eine ideen- und strukturgeschichtliche Untersuchung

Schriften zur politischen Theorie, Band 5

Hamburg 2005, 258 Seiten
ISBN 978-3-8300-2035-6 (Print & eBook)

Rezension

[...] Insgesamt legt Girkinger eine interessante Einführung in die (neo-)liberale Ideengeschichte vor, die sich als Ausgangspunkt für analytisch vertiefende Studien eignet.

Holger Moroff, Universität Jena, in:
Portal für Politikwissenschaft, 25.06.2007

Aufklärung, Friedrich August von Hayek, Globalisierung, Keynesianismus, Konservatismus, Liberalismus, Neoliberalismus, Politikwissenschaft, Politische Theorie, Postfordismus

Zum Inhalt

Im alltäglichen Diskurs zählt der „Neoliberalismus“ schon seit längerem zu den viel diskutierten Begriffen, um aktuelle soziale, politische und ökonomische Phänomene zu deuten. Oft führt das jedoch dazu, was man als „Interpretationsinflation“ bezeichnen könnte, d.h., wenn man mit dem Neoliberalismus alles erklären will, erklärt man am Ende nichts. Mangels Definitionstiefe wird der Neoliberalismus auf diesem Weg selbst wieder zum abstrakten Phänomen, mit dem viele nichts anfangen können. Um den Neoliberalismus besser zu verstehen, ist es daher hilfreich, ihn auch in seiner geschichtlichen Dimension als in sich schlüssiges Weltbild zu analysieren und daraufhin seinen wachsenden Einfluss auf die Wirtschaftspolitik aufzuzeigen.

Zwei Schlüsselworte, die den Neoliberalismus beschreiben, finden sich schon im Titel: es geht um Freiheit und strukturellen Zwang. Der Neoliberalismus will die gleichen Freiheitsrechte für alle. Ein Sandler darf in seiner Freiheit ebenso wenig beeinträchtigt werden wie ein Millionär. Und beide dürfen nicht erwarten, dass ihnen darüber hinaus seitens politischer Institutionen geholfen wird, weil dadurch die Freiheit anderer beeinträchtigt wird (etwa mittels Umverteilung). Frei nach George Orwell (Animal Farm) kann man sagen, dass im neoliberalen Weltbild alle frei sind, aber manche freier als andere. Das führt zu strukturellem Zwang. Anhand dieser zwei Kategorien - Freiheit und Zwang - beleuchtet das Buch unterschiedliche historische und kulturelle Wurzeln des (Neo-)Liberalismus und verfolgt wichtige wirtschaftliche Entwicklungen seit dem 19. Jahrhundert, die schließlich zu einer Renaissance des „Neo - Liberalismus“ in den letzten Jahrzehnten geführt haben. Seine Repräsentanten distanzieren sich ausdrücklich von den sozial - liberalen „Verirrungen“ liberaler Denker im 19. und 20. Jahrhundert. Als eine der herausragenden „Vaterfiguren“ des Neoliberalismus gilt der österreichische Ökonom und Sozialphilosoph Friedrich v. Hayek. Ihm und seinen Gedanken werden in einem eigenen Abschnitt besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Denn zu überlegen, warum er beispielsweise die Idee der Gerechtigkeit als Unsinn und die Demokratie als Gefahr für die individuelle Freiheit bezeichnete, erweist sich als sehr nützlich, wenn es darum geht, gegenwärtige Veränderungen im Zusammenhang mit der Globalisierung und ihre Auswirkungen auf Politik und Arbeitswelt zu betrachten.

Eines sollte bei all dem nicht vergessen werden: der steigende Wettbewerb, Waren und Dienstleistungen zu verkaufen, ist ganz wesentlich auch ein Wettbewerb um menschliche Sehnsüchte, also um das Mangelwesen „Konsument“. Verkauft werden nicht nur Waren oder Leistungen, sondern mehr und mehr zugleich Emotionen und Erlebnisse, Bilder von Glück, Freiheit und Schönheit. Oder hat jemand schon einmal ein so entspanntes Gesicht und ein so tiefes Lächeln gesehen wie von einem Menschen in einer Wellness-Werbebroschüre? Es ist die alte und immer aktuelle Debatte um das Verarmungspotential einer Arbeits- und Konsumkultur, die in einem merkwürdigen Widerspruch gefangen ist: sie fordert, dass die Menschen hart arbeiten und zugleich Hedonisten aus Leidenschaft sein sollen.



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