Habilitation: Internetbasierte Kommunikation und Identitätskonstruktion

Internetbasierte Kommunikation und Identitätskonstruktion

Selbstdarstellungen und Regelorientierungen 14- bis 16-jähriger Jugendlicher

Medienpädagogik und Mediendidaktik, Band 7

Hamburg 2005, 368 Seiten
ISBN 978-3-8300-1988-6 (Print & eBook)

Habilitation, Identität, Internet, Jugendliche, Kommunikation, Medienpädagogik, Mediensozialisation, Neue Medien, Pädagogik

Zum Inhalt

Zehn Jahre nach dem Erscheinen von „Life on the Screen“ (Turkle) greift das Buch die These kritisch auf, dass die internetbasierte Kommunikation der Internetnutzer auf deren Identitätsentwicklung deutlich Einfluss nimmt. Zur empirischen Überprüfung der geäußerten Wirkungsvermutungen wurden 14-16-jährige Jugendliche, die zu den Vielnutzern gerechnet werden können, 2001 bis 2003 in einer explorativen, qualitativen Studie begleitet.

Im ersten Teil des Buches wird die aktuelle Fachdiskussion zu dem Thema Identität und internetbasierte Kommunikation zusammengefasst. Der Autor orientiert sich hierbei an den zentralen Begriffen „Kommunikation“ und „Identität“, diskutiert diese aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive und fokussiert auf mögliche Zusammenhänge zwischen Internetnutzung und Identitätsentwicklung im Jugendalter.

Im zweiten Teil wird die qualitative Studie vorgestellt. „Identität“ wird ausgehend von einem identitätspsychologischen Modell als Zusammenspiel von Selbstkonzept, Selbstwertgefühl und Kontrollüberzeugung gefasst. Unter Berücksichtigung der strukturellen Bedingungen der internetbasierten Kommunikation Jugendlicher werden Regelorientierungen und Selbstdarstellungen von 14-16-jährigen in einem anspruchsvollen und innovativen Verfahren empirisch untersucht. Anhand der gewonnenen Daten kann gezeigt werden, dass die Internetnutzung auch bei Jugendlichen, die das Internet sehr häufig nutzen, nicht zu einem dominanten identitätsbestimmenden Faktor wird. Deutlich wird, dass die eigene Internetverwendung funktional sowohl zur Selbstwerterhöhung wie auch zur Selbstabwertung führen kann. Anders als vielfach vermutet ist der Identitätswechsel im virtuellen Raum bei Jugendlichen kaum ausgeprägt. Sie stellen sich im Internet meist weitgehend authentisch dar. Die medienökologische Herangehensweise an der Fragestellung macht deutlich, wie Regeln und Verhaltensanforderungen des sozialen Umfelds mit den Handlungsspielräumen im Internet zusammenwirken. Insgesamt werden die jugendlichen Internetnutzer kaum mit internetbezogenen Verhaltensanforderungen konfrontiert. Sowohl von Eltern wie auch von Lehrern werden den Jugendlichen große Handlungsfreiräume ermöglicht.

Der dritte Teil des Buches geht der Frage nach, wie die Internetnutzung Jugendlicher medienpädagogisch aufgegriffen werden kann. Ausgehend von den gewonnen Befunden benennt der Autor Bedingungen und Möglichkeiten einer Herausbildung der normativen, eigenverantwortlichen Selbststeuerung und einer Entwicklung (meta)kommunikativer Fähigkeiten im Bereich der internetbezogenen Kommunikation, die sowohl für weiterführende (medien)pädagogische Forschung als auch für das (medien)pädagogische Handeln relevant sind. Daran anschließend werden Forderungen für die Aus- und Weiterbildung von Lehrern und Jugendarbeitern formuliert.



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