Doktorarbeit: Harninkontinenz bei Kindern und Jugendlichen

Harninkontinenz bei Kindern und Jugendlichen

Stressverarbeitung, Lebensqualität und verhaltensmedizinisches Schulungsprogramm bei Kindern und Jugendlichen mit funktioneller Harninkontinenz

Studien zur Kindheits- und Jugendforschung, Band 39

Hamburg 2005, 446 Seiten
ISBN 978-3-8300-1949-7 (Print), ISBN 978-3-339-01949-3 (eBook)

Funktionelle Harninkontinenz, Jugendliche, Kinder, Krankheitsverarbeitung, Lebensqualität, Psychologie, Stressverarbeitung, Therapie

Zum Inhalt

Die funktionelle Harninkontinenz gehört zwar zu den häufigsten Störungen im Kindes- und Jugendalter, aber bisher liegen nur sehr wenige Befunde zur Wirksamkeit von entwickelten Therapieverfahren vor. Außerdem wurde bei den bisherigen Therapieverfahren vernachlässigt, dass das Einnässen zu einer großen Belastung für die Kinder und vor allem für die Jugendlichen werden kann.

Aus diesem Grund wurde in der vorliegenden Studie der Schwerpunkt auf die Evaluation eines stationären Therapieprogramms für Kinder und Jugendliche von 8 bis 12 Jahren (N=39) gelegt, das neben einer wissensorientierten Blasenschulung auch ein Stressmanagementtraining enthielt, um das Stress- und Krankheitsmanagement günstig zu beeinflussen. Das Anti-Stress-Training von Hampel und Petermann (2003) wurde dabei in Inhalt und Umfang so modifiziert, dass es den betroffenen Kindern und Jugendlichen im Rahmen eines einwöchigen, stationären Trainings Hilfe im Umgang mit alltäglichen und krankheitsspezifischen Belastungen bieten konnte. Des Weiteren wurde auch die Wirksamkeit einer tagesstationären Trainingsform untersucht. In einer weiteren Zusatzfragestellung wurde überprüft, ob es Zusammenhänge zwischen der Lebensqualität und der Stressverarbeitung von Kindern und Jugendlichen mit funktioneller Harninkontinenz gibt. Außerdem interessierte in einer weiteren Zusatzfragestellung, ob sich die Stressverarbeitung der erkrankten Kinder und Jugendlichen von einer gesunden Vergleichsstichprobe unterscheidet. Die Ergebnisse zur Wirksamkeit des stationären Trainings konnten zeigen, dass besonders die Jungen, die auch an dem Stressmanagementtraining teilnahmen, von dem Schulungsprogramm profitierten. Als einzige Gruppe verbesserte sich hier neben dem Einnässen am Tag kurz- und langfristig auch das Einnässen in der Nacht. Darüber hinaus verbesserten sich kurz- und langfristig auch die Stress- und Krankheitsverarbeitung und der Selbstwert nahm kurzfristig zu. Bei den Mädchen mit Anti-Stress-Training verbesserte sich als einzige Gruppe kurz- und langfristig die krankheitsbezogene Lebensqualität. Diese Befunde sprechen insgesamt für einen positiven Einfluss des Anti-Stress-Trainings sowohl auf die medizinischen als auch auf die psychologischen Parameter. Für das tagesstationäre Training konnten dagegen keine signifikanten Veränderungen in medizinischen und psychologischen Parametern belegt werden. Die Befunde zum Zusammenhang von Stress- und Krankheitsverarbeitung mit der gesundheitsbezogenen Lebensqualität deuten darauf hin, dass Zusammenhänge zwischen den Parametern bestehen. Dementsprechend könnte mit einem zusätzlichen Stressmanagementtraining die Stress- und Krankheitsverarbeitungskompetenzen der Kinder und Jugendlichen mit funktioneller Harninkontinenz verbessert und damit ein positiver Einfluss auf die Lebensqualität ausgeübt werden. Im Vergleich der Stressverarbeitung der Kinder mit funktioneller Harninkontinenz mit der Stressverarbeitung einer gesunden Vergleichsstrichprobe konnte gezeigt werden, dass die erkrankten Mädchen sich durch eine günstigere Stressverarbeitung als die gesunden Mädchen auszeichneten, während bei den erkrankten Jungen noch Defizite in der Stressverarbeitung vorliegen, die in einem Stressmanagementtraining modifiziert werden können.

Abschließend kann festgehalten werden, dass es mit der vorliegenden Untersuchung gelungen ist, erstmals theoretisch fundiertes Wissen über die Stress- und Krankheitsverarbeitung sowie die Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen mit funktioneller Harninkontinenz zu erhalten. Die Studie trägt damit erheblich dazu bei, auch die psychologischen Merkmale neben den medizinischen Parametern für den Therapieerfolg in den Fokus des Forschungsinteresses zu rücken.



Informationen über das Veröffentlichen wissenschaftlicher Arbeiten.

nach oben