Dissertation: Die Finanz- und Wirtschaftspolitik der Konstituante (1789 - 1791)

Die Finanz- und Wirtschaftspolitik der Konstituante (1789 - 1791)

Schriften zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Band 4

Hamburg , 420 Seiten

ISBN 978-3-8300-1567-3 (Print)
ISBN 978-3-339-01567-9 (eBook)

Rezension

[...] Wer sich ausführlich in deutscher Sprache über die finanzpolitischen Diskussionen der Nationalversammlung informieren will, der greife zu dem vorgestellten Buch [...]

Zum Inhalt

Im Juni 1789 erklärten sich die zur Abwendung des Staatsbankrotts einberufenen Generalstände zur verfassungsgebenden Nationalversammlung Frankreichs, der so genannten Konstituante. Mit diesem Schritt verbanden die Revolutionäre auch die Erwartung, den öffentlichen Kredit zu stärken, der wegen des im August 1788 ausgesprochenen Zahlungsmoratoriums am Boden lag. Freilich vereitelten die prekäre Versorgungslage wie auch die erneute Zuspitzung der Finanzkrise infolge der landesweiten Unruhen von vornherein die Konzentration auf die Verfassungsfrage. Die wachsende Einsicht in den engen Zusammenhang zwischen politischer und wirtschaftlicher Stabilität trieb die Abgeordneten schließlich zu der folgenschweren Entscheidung, die wichtigsten Steuer- und Finanzreformen selbst voranzutreiben, statt diese dem einfachen Gesetzgeber zu überlassen. Hierfür reservierte die Nationalversammlung nach dem Umzug von Versailles nach Paris nicht weniger als drei Sitzungstage jeder Woche. Die vorliegende Studie beleuchtet anhand der parlamentarischen Protokolle und Sitzungsberichte, aber auch auf der Basis einer umfangreichen Auswertung von Zeitungen und Broschüren verschiedenster Couleur das Spannungsverhältnis von politischen und ökonomischen Zielsetzungen der revolutionären Gesetzgebung.

Ein weiterer Schwerpunkt der Betrachtung liegt auf dem jeweiligen Einfluss, den die rivalisierenden Parteiungen innerhalb der mit ihren mehr als tausend Abgeordneten schwer überschaubaren Versammlung auf die finanz- und wirtschaftspolitischen Entscheidungen ausübten. Dabei trug die Gründung des Jakobinerklubs zunächst dazu bei, die Patrioten, wie sich die revolutionäre Mehrheit in Abgrenzung zu der aristokratischen Opposition bezeichnete, vorübergehend auf eine gemeinsame Finanzpolitik einzuschwören. Diese sah insbesondere eine rigorose Kürzung der Budgets der Minister sowie die Bedienung der Staatsschuld mit Obligationen vor, die mit den in nationales Eigentum überführten Kirchengütern besichert wurden. Doch entbrannte im Sommer 1790 nach der Abspaltung der exklusiveren „Gesellschaft von 1789“ ein erbitterter Konflikt um die verbleibenden Handlungsspielräume, die gewerbliche Stagnation sowie die von den Handelskammern beklagte Geldknappheit zu überwinden. Die in der „Gesellschaft von 1789“ organisierten Patrioten hoben besonders die Notwendigkeit hervor, das Vertrauen in die Rechtsordnung wiederherzustellen, um gehortetes Münzgeld in den Wirtschaftskreislauf zu schleusen. Demgegenüber wollten die Jakobiner Handel und Gewerbe dadurch beleben, dass sie das vordem in Ämtern und Staatsanleihen gebundene Kapital mit Papiergeld zurückzahlten. Dabei gelang es ihnen, sich als Befürworter einer solchen aktiven Wirtschaftspolitik, aber auch als Verfechter einer gewissen Staffelung der Steuertarife zu der einzig wahrhaften Partei des Volkes zu stilisieren.

Als die anhaltenden Behinderungen des freien Getreide- und Geldhandels die Zweifel am Erfolg der Stabilisierungspolitik verstärkten, büßten die Jakobiner ihre zeitweilig beherrschende Stellung in der Nationalversammlung rasch wieder ein. Der neuerliche Parteienkampf innerhalb des revolutionären Lagers ließ zu Beginn des Jahres 1791 mühsam gefundene parlamentarische Kompromisse gleichsam über Nacht zu Makulatur werden und trug damit seinerseits zur Radikalisierung der Revolution bei. Dies verdeutlicht die Studie exemplarisch an den Debatten um die Emigration sowie die Stadtzölle: Zum einen erwirkten Mitglieder der „Gesellschaft von 1789“ die Beseitigung der Zollschranken an den Stadttoren. Diese Reform trieb aber das Defizit im nationalen Budget wieder in die Höhe; zugleich wurde den Kommunen der finanzielle Spielraum genommen, das Volk durch die Subventionierung des Brotpreises und die Beschäftigung bedürftiger Arbeiter zu beschwichtigen. Zum anderen setzten die Jakobiner die Einrichtung eines besonderen Parlamentsausschusses durch, der die zum Menschenrecht erhobene Freizügigkeit beschränken und Emigration und Kapitalflucht unter Strafe stellen sollte. Dieser Ruf nach Ausnahmegesetzen markierte zugleich das Scheitern des Versuchs, den Rückhalt der Bevölkerung für das Verfassungswerk mit Hilfe der Finanzpolitik zu sichern.

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