Doktorarbeit: Vorurteile von Kindern

Vorurteile von Kindern

Bewältigungskompetenz und Väter

Studien zur Kindheits- und Jugendforschung, Band 38

Hamburg 2005, 288 Seiten
ISBN 978-3-8300-1363-1 (Print)

Bewältigung, Copingtheorien, Kindheitsforschung, Psychologie, Relative Deprivation, Soziale Vergleichstheorie, Stressforschung, Vorurteilstheorien

Zum Inhalt

Kinder beginnen früh, sich die gesellschaftlich herrschenden Stereotypen oder Vorurteile über andere Nationen anzueignen. Der reifebedingten Entwicklung beim Erwerb von Vorurteilen stehen individuelle Unterschiede in der Verwendung von Vorurteilen gegenüber. Es fallen Jugendliche und Erwachsene mit besonders starken Vorurteilen auf und solche, die kaum Vorurteile haben. Allein die Tatsache, dass Vorurteile häufig im Alltag verwendet und geäußert werden, zeigt an, dass sie eine wichtige Funktion für eine Person erfüllen. Wie kommt es aber zu den Unterschieden im Ausmaß der Vorurteile? Wann entstehen diese Unterschiede?

Eine Studie mit elf- bis dreizehnjährigen Kindern an einer Hauptschule beantwortet diese Fragen. Es wird in der Studie sowohl das Erscheinungsbild von Vorurteilen bei Kindern erfasst als auch der Einfluss von individuellen Kompetenzen auf das Ausmaß an Vorurteilen. Als beeinflussende Kompetenz wird das Bewältigungsverhalten von Kindern angenommen. Dabei gehe ich davon aus, dass Bewältigungskompetenzen in der Kindheit erworben werden, auf deren Entwicklung der Vater einen besonderen Einfluss ausübt.

Ein Fazit der Studie lautet, wer kompetent seine Alltagsprobleme bewältigt, sieht Fremdgruppen positiver. Besonders gegenüber der am meisten diskriminierten Fremdgruppe der Türken wird dieser Konnex offensichtlich. Am deutlichsten reagieren Jungen auf diesen Zusammenhang. Das Praktizieren einer zurückgezogenen - passiven - Bewältigungsstrategie dagegen fördert Anpassungsprobleme. Die befragten Kinder verdeutlichen die Anpassungsprobleme durch Bewertungen der Fremdgruppen entgegen dem allgemeinen Trend; das trifft insbesondere auf die Mädchen zu. Die Jungen dagegen weisen Anpassungsprobleme im emotionalen Bereich auf, sie reagieren mit negativen Gefühlen gegenüber Fremdgruppen.

Bei Betrachtung der Ergebnisse zur Fremdenwahrnehmung und der Vater-Kind-Beziehung wird deutlich, dass im Falle einer positiv erfahrenen Beziehung zum Vater die Wahrnehmung der Fremdgruppen positiver ist. Eine gesteigerte Äußerung von negativen Gefühlen geht ebenfalls mit einer guten frühen Vaterbeziehung einher. Weitere Studienergebnisse weisen darauf hin, dass die Bekundung negativer Gefühle gegenüber Fremdgruppen der Kinder als Ausdruck der Suche nach sozialer Unterstützung bei der Bewältigung der Fremdenbegegnung zu deuten ist.



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