Doktorarbeit: Geschlechtersozialisation im Kontext

Geschlechtersozialisation im Kontext

Eine Perspektive auf die mittlere Kindheit und die frühe Adoleszenz

Schriften zur Sozialisationsforschung, Band 1

Hamburg 2004, 416 Seiten
ISBN 978-3-8300-1296-2 (Print)

Geschlechtersozialisation, Geschlechterverhältnis, Jugend, Kindheit, Peergruppenforschung, Sozialisationsforschung, Sozialstrukturanalyse, Soziologie

Zum Inhalt

Mit brilliantem soziologischen Sachverstand und einem hohen Maß an soziologischer Phantasie schafft die Autorin dieses Buches inhaltliche Verbindungen zwischen zwei bisher unverbunden Forschungssträngen, die zudem verschiedenen Theorietraditionen entstammen.

Bisher liefern vor allem konstruktivistisch inspirierte empirische Studien Erkenntnisse über das subjektive und kollektive Verständnis vom Mädchen- bzw. Junge-Sein, wenn Prozesse der Geschlechtersozialisation in Peergruppen bei Kindern in der mittleren Kindheit (8-10 Jahre) und Jugendlichen in der Frühadoleszenz (12-14 Jahre) betrachtet werden. Das Betrachtungsfeld solcher Arbeiten ist auf den Mikrokosmos Peergruppe beschränkt. Mögliche Wirkungen der Kontexte, in welchen diese Peergruppen verortet sind, werden in dieser Forschungstradition nicht berücksichtigt.
Demgegenüber arbeitet die sozial-strukturell ausgerichtete Kindheits- und Jugendforschung vor allem über die Wirkungen der familiären und der regionalen Umgebungen auf den Zugang zu Peergruppen in Schulen, Vereinen, auf Spielplätzen oder beim Sport. Prozesse innerhalb dieser Peergruppen, besonders die geschlechtlich relevanten, finden in dieser Forschungstradition keine Berücksichtigung.

Mit ihrem sozialstrukturellen Zugang spezifiziert die Autorin in diesem Band Mikroprozesse innerhalb von Peergruppen so, dass sie sozialstrukturell anschlussfähig werden. Das Ergebnis dieses Vorgehens ist das hoch innovative Modell ’kontextualisierte Geschlechter-sozialisation von Kindern und Jugendlichen in situierten Peergruppen’.

Die Autorin zeigt, dass Prozesse der Geschlechtersozialisation in Peergruppen sowohl direkt als auch indirekt durch die Umgebungen, in welchen die Peergruppen situiert sind, beeinflusst werden. Als indirekten Einfluss macht sie den familiären und den regionalen Hintergrund von Kindern und Jugendlichen aus: Diese Komponenten der Herkunft sind entscheidend dafür, welche Peerorte überhaupt zugänglich sind.
Peerorte ihrerseits stellen darüber hinaus eine Rahmung dar und zwar für Prozesse der Geschlechtersozialisation, die in den dort situierten Peergruppen stattfinden. Bei den Rahmungen handelt es sich entweder um eine sogenannte vergeschlechtlichte’ oder um eine sogenannte geschlechtsneutrale’ Kodierung einzelner Peerorte. Der direkte Einfluss der Peerorte besteht in der Analyse dieses Buches darin, dass Mädchen und Jungen sich an vergeschlechtlichten’ Peerorten in Prozessen der Geschlechtersozialisation als Differente erfahren, während sie sich an geschlechtsneutralen’ Peerorten als Gleiche konstruieren.

Indirekte und direkte Umgebungseinflüsse werden von der Autorin konstruktiv zusammengeführt, so dass sich für Kinder und Jugendliche je nach familiärer und regionaler Herkunft unterschiedliche Kombinationen von Gleichheits- und Differenzerfahrungen an den ihnen zur Verfügung stehenden Peerorten eröffnen. Aus zwei zentralen Dimensionen der Sozialstruktur, nämlich dem familiären Status und der regionalen Zugehörigkeit, entwickelt die Autorin eine innovative Beschreibung sozial-strukturell variierender Konstitutionsbedingungen von Geschlecht.



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