Forschungsarbeit: Linie der Avantgarde in Russland

Linie der Avantgarde in Russland

Transrationale Dichtkunst in der „Akademija Zaumi“

Studien zur Slavistik, Band 9

Hamburg 2004, 138 Seiten
ISBN 978-3-8300-1285-6 (Print)

20. Jahrhundert, Agrammatische Dichtkunst, Akademie der transrationalen Sprache, Akademija Zaumi, Aleksandr Fedulov, Aleksej Šepelev, Alogische Dichtkunst, Avantgarde, Elena Sazina, Futurismus, Historische Avantgarde, Literaturwissenschaft, Russland, Sergej Birjukov, Transrationale Dichtkunst, Zaumnische Dichtkunst

Zum Inhalt

Die in der russischen Provinz entstandene Akademija Zaumi – die „Akademie der transrationalen Sprache“ – hat sich der Erforschung, Weiterführung und Vermittlung der Linie der historischen Avantgarde vom Anfang des 20. Jahrhunderts in Russland verschrieben. Vor mehr als zehn Jahren wurde diese „Akademie“ in Tambov gegründet, etwa anderthalb Dekaden literarisch-künstlerischer und wissenschaftlicher Tätigkeit im „transakademischen“ Raum gingen ihr voraus. Scheint auch der Name paradox – Akademie des „Transrationalen, des Un-Sinns“, so ist doch die zaumnische, alogische, agrammatische Dichtkunst ihrem Wesen nach außerakademisch.

Während sich mit dem Moskauer Konzeptualismus seit den sechziger Jahren in Reflexion der kommunistischen Propaganda eine inoffizielle postmodernistische Literatur und Kunst entwickelte, überlebte die Tradition der Futuristen in der russischen Provinz, die schon immer eine Heimstätte für (Sprach-)Revolutionäre war.

Die Aufmerksamkeit, die in den letzten Jahren in der russischen und westlichen Literaturwissenschaft verstärkt auf die russische Neoavantgarde gerichtet wurde, erfasste auch den Gründer der Akademija Zaumi Sergej Birjukov und andere Mitglieder - weniger die Akademie selbst. Ausgehend von den eher fragmentarischen Publikationen zur Akademija Zaumi wird eine erste zusammenhängende Darstellung der Geschichte und des Charakters dieser literarischen Vereinigung vor dem kulturellen, geographischen und gesellschaftlichen Hintergrund der sowjetischen und postsowjetischen Zeit gegeben. Dabei widmet sich der erste Teil einer Übersicht über die geschichtliche Entwicklung der Akademie mit ihren Voretappen und geht auf das Zusammenwirken der für die Akademie typischen Synthese von theoretischer Forschung und praktischen Experimenten auf dem Gebiet nichttraditioneller Formen der Dichtkunst ein. Es werden die verschiedenen Verständnismöglichkeiten des namengebenden Begriffs zaum’ mit seinen historischen, sozialen und sprach- und literaturwissenschaftlichen Bezügen diskutiert und die Akademija Zaumi in diesem Kontext positioniert.

Im zweiten Teil werden die praktischen Ergebnisse einer Auseinandersetzung mit der Poesie der historischen Avantgarde anhand ausgewählter Texte verschiedener Autoren analysiert. Bei der Auswahl der Autoren wurde der Bogen geschlagen vom Initiator der Akademie, Sergej Birjukov, und ihrem Mitbegründer Aleksandr Fedulov über die jüngere Generation der Tambover Mitglieder (Aleksej Šepelev) bis in die jüngste Zeit nach Deutschland (Elena Sazina), dem neuen Wirkungsort der Akademie.



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