Doktorarbeit: Vom bürgerlichen Lustspiel zur politischen Groteske

Vom bürgerlichen Lustspiel zur politischen Groteske

Carl Sternheims Komödien „Aus dem bürgerlichen Heldenleben“ in ihrer werkgeschichtlichen Entwicklung

Studien zur Germanistik, Band 5

Hamburg , 600 Seiten

ISBN 978-3-8300-1267-2 (Print)

Zum Inhalt

Carl Sternheim ist einer der wenigen deutschen Schriftsteller, dem gleich mehrere köstliche Komödien gelungen sind. Sie sind nur auf den ersten Blick ähnlich. Das vorliegende Buch kämpft sich von Komödie zur Komödie vor, um inhaltliche und formale Unterschiede zwischen ihnen festzumachen, namentlich in bezug auf die Figuren, die Bühne, die Sprache, die Maske und die ‘eigene Nuance’. Im Fokus der Untersuchung stehen ihre Funktionen innerhalb des Kontextes, und das ist die einzelne Komödie in ihrer Totalität. Das zweite entscheidende Kriterium ist die Zeit ihrer Entstehung: Die Jahre 1910-1915 erscheinen als ein einheitlicher Lebensabschnitt Sternheims. So ist dieses Buch gewollt ahistorisch: Geschichtliche Fakten und ‘Zeugnisse’, die besagen, was Sternheim gedacht haben soll, werden zur Seite gelegt.

Sternheim änderte die o.g. Elemente von Schauspiel zu Schauspiel, indem er sie der Funktionalität im jeweiligen Schauspiel anpasste. In diesen Veränderungen ist eine schnelle, aber in sich schlüssige Entwicklung - nicht im Sinne höherer oder niedrigerer Qualität –festzustellen:

„In gerade mal fünf Jahren (1909-1914), und in gerade mal fünf Komödien schrieb er ein parodistisches und locker-leichtes, aber konzeptionell und strukturell sehr kompliziertes Lustspiel („Die Hose), eine erbarmungslose Satire, eine der schärfsten in der Geschichte der deutschen Komödie („Die Kassette“), eine opperettenhaft-puppenhafte Komödie voll Witz und Parodie, eine Art Unikum („Bürger Schippel“), eine gelungene Synthese von Charakterkomödie und Satire, von geschlossener Form und Stationen einer Entwicklung, von Illusions- und Ideentheater („Der Snob“), und eine Groteske als eine Einheit von unversöhnlichen Widersprüchen: von geschlossener Form und expressionistischen Mitteln, von Expression und Komik, von Satire und politischer Diagnose, vom Erfolg (als Durchsetzungsvermögen und Selbstverwirklichung) und dem Tod.“ (S. 571)

Auf welchen Grundlagen findet diese Entwicklung statt? Sternheim nutzt die Widersprüchlichkeit als ein produktives Element; demnach werden die Widersprüche produziert und nebeneinander gestellt, aber nicht gelöst. Er führt die in einem Stück gewonnenen Positionen im jeweils nächsten Schauspiel weiter.

Sternheim bedient sich beim Schreiben seiner Komödien ohne Skrupel sowohl der Vorlagen ‘aus dem Leben‘ als auch literarischer Vorlagen, vorzüglich aus der Komödientradition. Er ist wohl einer der besten Eklektiker in der Geschichte der deutschen Literatur: Er spielt mit seinen Vorlagen, passt sie der zeitgenössischen Wirklichkeit und Bühne an, mischt und vermengt sie und dreht sie bei Bedarf um.

Sternheims Entwicklung und Eklektizismus in dieser Schaffensperiode lassen den Schluss zu, dass ihm zwischen 1909 und 1914 mehrere hervorragende Komödien gerade deshalb gelangen, weil er keine Theorie besaß. Widersprüchlichkeit, Eklektizismus, Experimentierfreude und Beweglichkeit - man kann sie alle unter dem Begriff Spielfreude subsumieren. In diesem Sinne ist diese Dissertation auch eine Hommage an den homo ludens Carl Sternheim und an seine kongeniale Spielgefährtin Thea Bauer-Sternheim.

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