Dissertation: Fernsehen und die Entwicklung von Sprach- und Lesekompetenzen

Fernsehen und die Entwicklung von Sprach- und Lesekompetenzen

Eine Längsschnittstudie unter Berücksichtigung des familiären Hintergrundes

Studien zur Kindheits- und Jugendforschung, Band 30

Hamburg , 264 Seiten

ISBN 978-3-8300-1178-1 (Print)

Zum Inhalt

Der Einfluss des Fernsehens auf die Entwicklung von Kindern ist seit der Einführung des Mediums im letzten Jahrhundert ein vieldiskutiertes Thema. Einer Vielzahl von Spekulationen, Anekdoten und Hypothesen - meist über schädliche Einflüsse des Fernsehens - stehen dabei bislang allerdings erstaunlich wenige eindeutig gesicherte Befunde gegenüber.

Vor diesem Hintergrund klärt Kathrin Schiffer zunächst sehr differenziert die Frage, inwiefern für deutsche Kinder am Ende der Grundschulzeit überhaupt ein bedeutsamer Einfluss des Fernsehens auf die Entwicklung der Sprach- und Lesekompetenzen zu erwarten ist. Dabei wird neben der reinen Fernsehzeit auch besonderes Augenmerk auf die dabei konsumierten Programminhalte gerichtet, da für bestimmte altersgemäße Informationssendungen wie „Logo“ oder „Die Sendung mit der Maus“ durchaus förderliche Effekte auf die kognitive Entwicklung von Kindern angenommen werden können. Besonderes Interesse gilt zudem den (schrift-)sprachlichen Leistungen sogenannter „Vielseher“ - jener Kinder, die sich durch einen besonders ausgeprägten Fernsehkonsum von ihren Altersgenossen unterscheiden.

In einem weiteren Schritt erfolgt eine Einbettung dieser Fragestellungen in den familiären Kontext der untersuchten Kinder: Es erscheint durchaus plausibel, dass das familiäre Umfeld nicht nur die kognitive Entwicklung von Kindern sondern ebenso ihre Vorlieben und Gewohnheiten, ihre Freizeitgestaltung und damit auch ihren Fernsehkonsum ganz entscheidend beeinflusst. Insbesondere aufgrund der Tatsache, dass bislang gefundene Effekte des Fernsehkonsums meist nicht zufriedenstellend über die angenommenen Wirkmechanismen zu erklären waren, erscheint es sinnvoll über eine differenziertere Beschreibung der familiären Lebenswelt von Kindern näher zu beleuchten, ob diese nicht vielmehr für die gefundenen Fernseheffekte (mit-)verantwortlich ist.

Die Studie liefert insgesamt recht differenzierte Erkenntnisse: Zunächst wird die Bedeutung der konsumierten Programminhalte für den Einfluss des Fernsehens auf die Sprach- und Lesekompetenzen von Schulkindern unterstrichen. Insgesamt zeigte sich jedoch, dass dem Fernsehkonsum an sich nicht unbedingt die große Bedeutung für die (schrift-)sprachliche Entwicklung von Kindern zukommt, die ihm oft beigemessen wird. Weder die vielfach befürchteten hemmenden Einflüsse auf die Sprach- bzw. Lesekompetenz, noch die erhoffte Förderung dieser Fähigkeiten durch ausgewählte Sendungen erscheinen allein durch das Medium an sich realistisch. Vielmehr ist der Fernsehkonsum, wie alle Einflussfaktoren auf die kindliche Entwicklung, nicht losgelöst vom sozialen Kontext zu betrachten, in dem sich diese Entwicklung vollzieht.

Lediglich für eine kleine Gruppe von Kindern mit konstant erhöhtem und ausgeprägt unterhaltungsorientiertem Fernsehkonsum können mögliche negative Effekte des Fernsehens auch unter Berücksichtigung des familiären Kontexts im untersuchten Altersbereich nicht vollständig von der Hand gewiesen werden.

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