Dissertation: Sind Sozialpädagogen „neue“ Männer?

Sind Sozialpädagogen „neue“ Männer?

Konstruktion von Männlichkeit im Feld Sozialer Arbeit

Gender Studies – Interdisziplinäre Schriftenreihe zur Geschlechterforschung, Band 1

Hamburg 2003, 394 Seiten
ISBN 978-3-8300-1128-6 (Print)

Berufsfeldanalyse, Gender Studies, Geschlechterforschung, Kritische Männerforschung, Männlichkeit, Moderner Mann, Sozialpädagogik, Soziologie

Zum Inhalt

Diese Männer-Studie gewährt detaillierte Einblicke in die Alltags- und Berufswelt von vier Sozialpädagogen. Anhand von biographischen Erfahrungen und teilweise ethnographischen Elementen sind Erzählungen aus der vielgestaltigen Männerwelt entstanden, die Jürgen Strohmaier durch sorgfältige Kleinarbeit eindrucksvoll zu lebens- und alltagsweltlichen Portraits verdichtet.

Im Sinne einer Sekundäranalyse geht es dem Autor zunächst darum, theoretische Bezugsrahmen vorzustellen, die das schwierige Verhältnis des „gemachten Manns“ (Connell) zwischen individuellem Mann-Sein und gesellschaftlicher Formation von Männlichkeit verdeutlichen. Dies geschieht auf dem Hintergrund von historischen, soziologischen und kulturanthropologischen Schriften aus der Männerforschung. Der gegenwärtige Diskurs über „neue“ Männer in einer sich scheinbar flexibilisierenden bzw. individualisierenden Gesellschaft und die in der Geschlechterforschung ausge-führten Diskurslinien über neue, selbstreflexive Formen von Männlichkeit werden in dieser Studie empirisch überprüft.

Der Autor versucht Antworten bei Männern zu finden, die in unterschiedlichen Ar-beitsfeldern der Sozialen Arbeit tätig sind. Leitend ist dabei die Annahme, daß sich im Feld Sozialer Arbeit aufgrund der dort vorgezeichneten Strukturen und des Selbstverständnisses von Sozialpädagogen am ehesten reflexive Männlichkeitsfor-men erproben und kultivieren lassen.

Dazu stellt Jürgen Strohmaier folgende Forschungsfragen: Wie gestalten Männer ihr Leben im Spannungsfeld zwischen sozial-emotionalen Bedürfnissen und beruflichen Ansprüchen und wie werden sie dabei ihrem Selbstkonzept gerecht? Inwiefern wer-den Alternativen zu tradierten männlichen Lebensformen sichtbar bzw. sind Verände-rungen in der Alltagspraxis wahrnehmbar?

Mit einem innovativen Forschungsdesign stiftet der Autor seine Interviewpartner zu einer höchst produktiven Selbsteinschätzung und Selbstbeobachtung an. Der em-phatisch und methodisch differenziert angelegte Forschungsprozeß bringt eine Fülle an Ergebnissen hervor, die in der Männer- und Geschlechterforschung gewiß von Bedeutung sein werden. Der Autor konnte bspw. zeigen, wie veränderungsbereite und emotional aufge-schlossene Männer aufgrund ökonomischer Zwänge und einer komplexen Alltags-gestaltung immer wieder von traditionell überformten (patriarchalischen) und biswei-len hegemonialen Vorstellungen von Männlichkeit eingeholt werden. Und welchen Einfluß und Stellenwert ihre sozialen Bezugsysteme auf die individuelle Lebenspla-nung - gerade in krisenanfälligen Lebensabschnitten - haben können. Dabei stellen in den Körper eingeschriebene, habitualisierte männliche Praktiken einen bisher oft unterschätzten Faktor dar. Kein Mann, so der Autor, kann einfach aus seiner Haut.



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