Dissertation: Zweisprachiger Unterricht für ein zweisprachiges Friesland?

Zweisprachiger Unterricht für ein zweisprachiges Friesland?

Eine Analyse der soziopolitischen Bedingungen für bilinguale Unterrichtsformen in autochthonen Minderheitsregionen

PHILOLOGIA – Sprachwissenschaftliche Forschungsergebnisse, Band 57

Hamburg , 312 Seiten

ISBN 978-3-8300-1080-7 (Print)

Zum Inhalt

In den Ländern der Europäischen Union werden zirka dreißig einzigartige autochthone Minderheitssprachen gesprochen. Dazu gehören unter anderen Friesisch in der niederländischen Provinz Friesland, Walisisch in Wales (Großbritannien), Katalanisch in Katalonien (Spanien), Nordfriesisch in Schleswig-Holstein (Deutschland) und Gälisch in Schottland (Großbritannien).

Im Unterrichtssystem der genannten Länder spielt die Minderheitssprache eine jeweils sehr unterschiedliche Rolle. In Katalonien gibt es fast keine Schulen mehr, die nur auf Spanisch unterrichten, und in Wales ist Welsh Medium Education eine reguläre und auch populäre Unterrichtsform. Nordfriesisch dagegen ist im regulären Schulwesen Schleswig-Holsteins lediglich Freifach, und in der niederländischen Provinz Friesland spielt Friesisch an den meisten Schulen trotz seiner gesetzlichen Verankerung als Unterrichtssprache keine wirklich zentrale Rolle.

Das vorliegende Buch sucht eine Erklärung für diesen unterschiedlichen Umgang mit Minderheitssprachen im jeweiligen soziopolitischen Kontext. Die Autorin geht der Frage nach, in welchem Maß Faktoren wie zum Beispiel Sprachpolitik, ethnisches Bewusstsein oder Sprachstatus dafür verantwortlich sind, welches Unterrichtsmodell in der Praxis vorherrscht: eine Variante von zweisprachigem Unterricht oder die Verdrängung einer Sprache zugunsten der anderen.

Die Frage nach geeigneten mehrsprachigen Unterrichtsformen ist im Zuge von Migration und vereintem Europa aktueller denn je.
Die meisten bisherigen Studien zum zweisprachigen Unterricht beschäftigen sich mit den Auswirkungen mehrsprachiger Unterrichtsformen auf den Lernerfolg der Schüler. Die Autorin dieses Buches bietet dagegen einen Einblick in das Zusammenspiel von sozialen, pädagogischen und machtpolitischen Faktoren, die zur Entscheidung für eine bestimmte sprachliche Beschulungsform führen. Sie zeigt, dass dieses Wissen um den Kontext eine entscheidende Voraussetzung ist, möchte man ’Erfolg’ und ’Mißerfolg’ zweisprachiger Programme adäquat interpretieren.

Darüber hinaus überzeugt die Autorin durch ihren konsequent kontrastiven Ansatz von der Notwendigkeit, bei der Lösung des eigenen ’Schulproblems’ den Blick über die Grenzen des eigenen Landes hinaus auf vergleichbare sprachliche Kontexte zu richten.
Konkrete Vorschläge unterbreitet sie in diesem Zusammenhang für die niederländische Provinz Friesland. Sie stellt für diese Region ein Lösungsmodell vor, das nicht die Förderung der Minderheitssprache, sondern die Förderung von Zweiprachigkeit in den Mittelpunkt stellt: die ’Sprachschule als Magnetschule’. Es handelt sich dabei um eine Kombination aus Two Way Bilingual Education und dem Prinzip der amerikanischen Magnet Schools.

Das Buch enthält ausführliche Zusammenfassungen in englischer, friesischer und niederländischer Sprache.

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