Dissertation: Kultur und Psychologie

Kultur und Psychologie

Zur Entwicklung und Standortbestimmung der Kulturpsychologie

Schriften zur Kulturwissenschaft, Band 53

Hamburg 2003, 320 Seiten
ISBN 978-3-8300-1050-0 (Print)

Antike, Geschichtsschreibung, Humanismus, Individualismus, Kulturentwicklung, Kulturpsychologie, Kulturwissenschaft, Mittelalter, Renaissance

Zum Inhalt

Das Buch will Defizite in der bisherigen Historiographie zur Geschichte der Integration des Themas „Kultur“ in die Psychologie aufzeigen und dazu beitragen, einige davon zu beheben.

Den Anstoß gab das Erstaunen darüber, daß die Kulturpsychologie in den einschlägigen Darstellungen als Produkt der Moderne betrachtet wird, das im Denken der Aufklärung vorbereitet wurde, in vorherigen Epochen aber keine erkennbaren Konturen hatte - jedenfalls keine, die es rechtfertigen würden, ältere Ansätze einer umfassenderen Betrachtung zu unterziehen. Der Grund hierfür scheint wesentlich im Selbstverständnis der modernen Psychologie zu liegen, wonach sie eine naturwissenschaftlich orientierte, experimentell verfahrende Wissenschaft ist und als solche erst im 19. Jahrhundert entstand. Da man frühen Anfängen weder eine im engeren Sinne naturwissenschaftliche, geschweige denn eine experimentelle Dimension zubilligt, nimmt die reservierte Haltung der Psychologiehistoriker gegenüber der Vergangenheit nicht sonderlich wunder.

Die Gründe für diese Defizite, wie sie ganz ähnlich auch in wissenschaftlichen Darstellungen anderer Disziplinen bestehen, sind vielfältiger Art und reichen von ungenügender Aufarbeitung des klassischen Quellenbestands europäischer Geistesgeschichte über die ethnozentrisch geprägte Bewertung der Leistungen zurückliegender Epochen und fremdkultureller Ansätze bis zu der daraus resultierenden ungenügenden Aufmerksamkeit für außereuropäische, d. h. vor allem indigene psychologische Beiträge. Es kann in diesem Buch nicht darum gehen, all diese Defizite zu beseitigen. Der Autor ist nicht so vermessen, die komplette Aufarbeitung des relevanten Quellenbestands in Aussicht zu stellen - er möchte sie allerdings befördern. Zudem will Chakkarath nicht ausschließen, selbst ethnozentrischen Wertungen zu erliegen, möchte aber darauf hinweisen, wie der Ethnozentrismus in bisherige Darstellungen eingeht. Und schließlich beschränkt auch er sich im wesentlichen auf die Untersuchung europäischer Beiträge, doch will er mit diesem Buch durch die Identifizierung und Rehabilitierung weit zurückliegender theoretischer und methodischer Konzepte dazu ermutigen, auch Ansätze zu rekonstruieren, die abseits Europas und vor der „Europäisierung“ der Welt und ihrer Wissenschaften geleistet wurden.



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