Dissertation: Methode und Inhalt  - Momente von künstlerischer Selbstreferenz im Werk von Nicolas Poussin

Methode und Inhalt - Momente von künstlerischer Selbstreferenz im Werk von Nicolas Poussin

Schriften zur Kunstgeschichte, Band 2

Hamburg , 504 Seiten

ISBN 978-3-8300-0999-3 (Print)

Zum Inhalt

Der klassizistische, als „peintre-philosophe“ geltende Maler Nicolas Poussin (1594-1665) ist eine der bekanntesten Gestalten der Kunstgeschichte überhaupt. Auf vielen Ebenen thematisiert er in den Bildern selbst seine Kunst. Bisher untersuchte die Poussin-Forschung in diesem Zusammenhang vornehmlich traditionelle „Embleme“ wie „Bild-im-Bild“ oder Allegorien von „Pittura“.

Dieses Buch entwickelt einen vollständig neuen Ansatz und arbeitet Poussins spezifische Bildrhetorik heraus: Poussin stellt den Handlungen als „auslösende“ Momente bekannte Zitate aus dem Motiv- und Formenkanon der Antike voran. Mit dieser abgestuften szenischen Regie von „Vorgabe“ und „Ausführung“, die auf bisher unerschlossene kunsttheoretische Quellen zurückgeht, zeigt er seine Inspirationsquellen. Durch die „entlarvende“ Struktur legt der Künstler sein Programm, das die „Antike“ in einzelnen Stufen „verlebendigt“, selbstreferentiell offen.

Joch führt Poussins Konzept von Selbstreferenz speziell auf die „Essais“ von Michel de Montaigne zurück, dem Begründer der neuzeitlichen selbstbezüglichen Philosophie schlechthin. Die „Versuche“ dienen in der Untersuchung nicht nur der historischen Einordnung von Poussins Prinzip künstlerischer Selbstbezüglichkeit, sondern sind auch vielfach der direkte Schlüssel zu bisher ungedeuteten Bildmotiven des Klassizisten. Ein großes Kapitel ist den späten Landschaften Poussins gewidmet.

Der Klassizist zeigt eine Natur, deren „Spontaneität“ im Sinne Galileis der menschlichen Selbstreferenz zur Seite tritt. Dabei findet sich der Betrachter bildräumlich im Totenreich wieder, überwindet symbolisch die christliche Heilsgeschichte, entlarvt die Götter oder wird durch „Lücken“ im Bildraum aufgefordert, sie selbst zu erfinden.

Poussin gelingt ein für das 17. Jahrhundert vielleicht einzigartiger Brückenschlag: Er verbindet die historisch „authentische“ Umsetzung einer normsetzenden „Vergangenheit“ mit den zeitgenössischen Auffassungen von „Imagination“, künstlerischer Theorie und Praxis. Die Integrität der antiken Elemente war nur durch eine übergeordnete, kunst- und rezeptionstheoretisch revolutionäre Bildstruktur zu „retten“. So wurde Poussin gerade bei dem Versuch, der Antike zu folgen, zu einem entscheidenden Schrittmacher in der Entwicklung der neuzeitlichen Kunst. Mit der präzisen Herleitung dieser künstlerischen Pointe eröffnet Jochs Buch einen völlig neuen Blick auf das Werk des berühmten Klassizisten.

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