Doktorarbeit: Bedingungen der Konfliktlösung

Bedingungen der Konfliktlösung

Eine gerechtigkeitspsychologische Untersuchung am Beispiel eines lokalen Umweltkonflikts

Studienreihe psychologische Forschungsergebnisse, Band 94

Hamburg 2003, 294 Seiten
ISBN 978-3-8300-0925-2 (Print)

Gerechtigkeitspsychologie, ökonomische Verhaltenstheorie, Psychologie, soziale Dilemmata, soziale Konflikte, Sozialpsychologie, Umweltpsychologie

Zum Inhalt

Die Forschung und Praxis zur kooperativen Konfliktlösung ist in weiten Teilen von der Vorstellung geleitet, Konfliktpartner handelten grundsätzlich aus eigennützigen Motiven, das heißt, sie versuchten ihre eigenen Interessen zu verfolgen und eigene Verluste zu vermeiden. In dieser Arbeit werden eine Reihe von Theorien zu sozialen Konflikten auf diese Grundannahmen hin überprüft. Auf der Basis von Erkenntnissen der empirischen Gerechtigkeitsforschung wird die Untersuchungsfrage entwickelt, welchen Einfluss Eigeninteresse im Vergleich zu Motiven der Gerechtigkeit bei der Erklärung von Konfliktlösungsbereitschaften hat.

Als Untersuchungsgegenstand dient ein lokaler Umweltkonflikt, in dem eine Vielzahl von Anliegen und Interessen miteinander im Konflikt stehen, und der für die Befragten hohe Bedeutsamkeit aufweist. In einer Fragebogenuntersuchung, an der 309 Personen teilnahmen, konnten die Skalen als reliable und valide Messinstrumente bestätigt werden.

Die Befunde zeigen, dass die Bereitschaft, gemeinschaftliche, kooperative Lösungen zu suchen, unter den Befragten stark ausgeprägt ist. Jedoch können Eigeninteressen nur harte Strategien der Konfliktlösung erklären, das heißt, dass die Akzentuierung von eigenen Vor- und Nachteilen der Betroffenen und auch die Neigung, generell seine eigenen Interessen in den Vordergrund zu stellen, mit stärkeren Bereitschaften zum harten Verhandeln einhergehen. Demgegenüber sind kooperative und auch harte Bereitschaften vor allem durch Motive der Verfahrens-, Interaktions- und Verteilungsgerechtigkeit erklärbar. Im Gegensatz zu Annahmen von ökonomischen Verhaltenstheorien sind diese Gerechtigkeitsmotive auch nicht auf Eigennutz zurückführbar, sondern stellen eigenständige Handlungsmotive im Konflikt dar.

Durch diese Ergebnisse wird verdeutlicht, welche bedeutende Rolle Gerechtigkeit in der kooperativen Konfliktlösung spielt. Motive der Gerechtigkeit sollten daher stärker als bisher in das Zentrum der Forschung und Modellbildung zu sozialen Konflikten rücken. Dazu werden Ansätze zur weiteren Erforschung der Rolle von Gerechtkeit in sozialen Konflikten vorgeschlagen.



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