Forschungsarbeit: Von der französischen Revolution zum Sozialkatholizismus um 1900

Von der französischen Revolution zum Sozialkatholizismus um 1900

Eine Existenzfrage für die katholische Kirche in Deutschland und Frankreich?

Studien zur Kirchengeschichte, Band 2

Hamburg , 164 Seiten

ISBN 978-3-8300-0887-3 (Print)

Zum Inhalt

Im Jahre 1989 - 200 Jahre nach der französischen Revolution - sprechen die französischen Bischöfe von `wechselseitiger Vergebung?. Die Ideale Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit werden als christliche Werte bezeichnet. Damit scheint ein Ausgleich zwischen katholischer Kirche und Revolution, verbunden mit den liberalen Werten der Moderne, eingeleitet.
Doch wie kam es letztendlich zu diesem angestrebten Ausgleich?

Die Feudalordnung des mittelalterlichen Frankreichs hatte sich 1789 durch die tatsächlichen Verhältnisse des aufstrebenden Besitz- und Bildungsbürgertums überlebt. Hinzu kamen Gedanken der Aufklärung. Durch den ausgeprägten Gallikanismus erlebte die katholische Kirche die Revolution als kirchenfeindlich, obwohl ein enormes Bedürfnis nach Glaube und Religion in weiten Teilen des Volkes weiter bestand. Die Säkularisation, verbunden mit der strikten Trennung von Kirche und Staat, bedeutete scheinbar den Ruin der Kirche. Es stellte sich die Frage, inwiefern in Zeiten des modernen Wissenschaftsideals der Aufklärung und des Liberalismus die Reorganisation einer am Boden liegenden Kirche gelingen kann.

Die Ultramontanisten wollten katholisch bleiben, indem sie die volle Gemeinschaft mit dem Papst suchten und liberale Gedanken - verbunden mit einer inneren Erneuerung der Kirche - grundsätzlich ablehnten. In dieser Tradition der Abgrenzung von den Entwicklungen im frühneuzeitlichen Europa ist das I. Vatikanum zu sehen.

Andererseits strebten Reformer wie Lammenais, der in Belgien eine Union von Katholiken und Liberalen versuchte, und Döllinger einen Ausgleich zwischen Kirche, Staat, liberalem Bildungsbürgertum und modernem Wissenschaftsideal an, was ihnen Kritik, wenn nicht sogar Verurteilungen von Rom einbrachte, obwohl ja gerade sie Antworten auf die Herausforderungen der Moderne suchten und gaben.

Doch offenbar bedurfte es einer wachsenden Entfremdung der Kirche von Staat und Gesellschaft, die unter anderem ihren Höhepunkt im Kulturkampf, Modernismuskrise oder I. Vatikanum fand, bis sich Kirche und Staat bewegten und neue katholische Bewegungen - der Sozialkatholizismus, die Zentrumspartei - entstanden, welche mit modernen Mitteln des Parteiensystems und der Pressefreiheit einen wesentlichen Beitrag zum Umgang mit der Moderne leisteten.

In diesem Sinne haben historische Ereignisse ein neues Selbstverständnis innerhalb des Christentums ausgelöst, das darauf begründet sein muss, Antworten auf die Entwicklungen in jeder Zeit zu finden. Dies bedeutet nicht, alle Neuerungen ungefragt zu übernehmen, aber die Menschheit benötigt gerade in einer Zeit des Sinn- und Werteverfalls sinnvolle Antworten von kirchlicher Seite. Durch die Aufarbeitung der Geschichte und ihren Konsequenzen für die Zukunft erscheint nicht nur die `wechselseitige Vergebung? in einem anderen Licht, sondern auch die Existenz einer freien Kirche in einer freien Gesellschaft begründet. Der Fortbestand des Christentums ist nur dann gesichert, wenn sich der Glaube in Auseinandersetzung mit Fragen und Problemen der jeweiligen Zeit weiterentwickelt und realitätskonform ist. Dies ist zweifelsohne die größte Herausforderung, vor der das Christentum heutzutage steht.

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