Doktorarbeit: Selbstbildung im Rahmen von Therapie

Selbstbildung im Rahmen von Therapie

Schulungs- und Behandlungsprogramm für Patienten mit oraler Gerinnungshemmung (SPOG) - Evaluation therapiespezifischer Lebensqualität. Ein Beispiel interdisziplinärer Zusammenarbeit von Pädagogik und Medizin.

Studien zur Erwachsenenbildung, Band 14

Hamburg 2002, 270 Seiten
ISBN 978-3-8300-0813-2 (Print)

Antikoagulation, Evidenzbasierte Medizin, Lebensqualität, Pädagogik, Patientenschulung, Qualitätssicherung, Selbstmanagement

Zum Inhalt

Seit den achtziger Jahren wurden in enger interdisziplinärer Kooperation zwischen Medizin und Pädagogik im Rahmen der Düsseldorfer Universität, Klinik für Stoffwechselkrankheiten und Ernährung, Prof. Dr. med. Dres. H.c. mult. Michael Berger, Konzepte zur teilweisen Übertragung der medizinischen Betreuung bei chronischen Erkrankungen auf den Patienten im Sinne einer eigenverantwortlichen Selbsttherapie für Typ 1 oder Typ 2 Diabetiker, Hypertoniker und Asthmatiker entwickelt, evaluiert und in die Regelversorgung des Gesundheitswesens implementiert.

Grundsätzlich beruhen all diese Programme auf einer Übernahme von laufenden diagnostischen Maßnahmen zur Sicherung der Therapiequalität (Selbstmessung von Blutzucker, Urinzucker, Blutdruck oder Atemwiderstand) und - entsprechend bestimmter Regeln - ggf. einer eigenständigen Therapie-Anpassung bzw. -Korrektur durch den Patienten. Damit werden dem Patienten Pflichten und Rechte übertragen, die bis dahin das Privileg ärztlicher Tätigkeit waren. Mithin kommt es zu einer weitgehenden Veränderung im Arzt-Patienten-Verhältnis mit einer erheblichen Stärkung der Eigenverantwortlichkeit und der Selbständigkeit der Patienten - eine Entwicklung, die anfangs Anlass zu erheblichen Kontroversen mit der Ärzteschaft gegeben hat.

Für alle diese Programme wurde jedoch aufgrund formaler und kontrollierter Studien, auch mittel- und langfristig, eine erhebliche Verbesserung der Therapiequalität nachgewiesen und damit die Grundlage für die Implementierung in die Regelversorgung des deutschen Gesundheitswesens und teilweise auch im internationalen Rahmen geschaffen.

In konsequenter Weiterführung dieser Innovation in der Medizin liegt hier eine Arbeit vor, in der die eigenverantwortliche Selbst-Medikation von oralen gerinnungshemmenden Medikamenten bei Patienten mit unterschiedlichen Indikationen, z.B. einer künstlichen Herzklappe, für eine derartige Behandlung entwickelt wurde. Dabei kommt der Darstellung der Integration pädagogischer Theorienbildung und Methodik mit dem medizinischen Therapieansatz besondere Bedeutung zu. Erst in der Verbindung beider Disziplinen kann die Übertragung medizinischer Handlungen auf den (vormals passiven) Patienten und seine Aktivierung im Sinne eines Selbst-Therapeuten gelingen und anhand von patient-oriented outcomes wie Lebensqualität und medizinische Endpunkte nachweisbar werden.

Die Erarbeitung, Validierung und Anwendung einer umfassenden Methodik zur Evaluation therapiespezifischer Lebensqualität im Rahmen der Anwendung dieses pädagogisch strukturierten Schulungs- und Behandlungsprogramms (SPOG) wurde formal evaluiert. Außerdem wurde es in einer umfangreichen kontrollierten klinischen Studie mit 179 Patienten mit Erfolg zur Anwendung gebracht, aufgrund derer das SPOG international erhebliche Beachtung gefunden hat. Diese Ergebnisse legen nahe, dass mit gutem Grund die große potentielle Bedeutung der Kooperation von Pädagogik und Medizin für die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens genutzt werden kann.



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