Dissertation: Karl Gjellerup – ein literarischer Grenzgänger des Fin-de-siècle

Karl Gjellerup –
ein literarischer Grenzgänger des Fin-de-siècle

POETICA – Schriften zur Literaturwissenschaft, Band 68

Hamburg 2002, 482 Seiten
ISBN 978-3-8300-0644-2 (Print)

Olaf Nybo und dem Verlag Dr. Kovač ist es zu danken, in einer sehr ausführlichen und kenntnisreichen Monographie auf diesen beinahe vergessenen dänisch-deutschen Dichter aufmerksam gemacht zu haben. Es wäre schön, wenn in deutscher Sprache nicht nur diese Biographie und Werkanalyse, sondern auch einige Texte Gjellerups im Buchhandel erhältlich wären.

Gerhard Danzer, in:
Zeitschrift für Tiefenpsychologie und Kulturanalyse

Fin de Siècle, Jahrhundertwende, Jugendstilliteratur, Karl Gjellerup, Literaturwissenschaft, Nobelpreis für Literatur, Skandinavistik, Symbolismus, Werkbiographie

Zum Inhalt

Der dänisch-deutsche Literat Karl Gjellerup (1857-1919) war der erste Däne, der auf der Vorschlagsliste der Schwedischen Akademie der Wissenschaften für die Zuerkennung eines Literatur-Nobelpreises stand. 1917 erhielt er ihn dann. In seiner mehr als vierzigjährigen Autorenschaft hat Gjellerup etwa 50 Werke geschrieben, darunter vorwiegend Romane und Erzählungen, eine Reihe von Dramen und einige Bände mit Gedichten. Sein Oeuvre umfasst Themen von den altnordischen Sagen - darunter eine Übersetzung der eddischen Götterlieder ins Dänische - über europäische Politik, Geschichte, Musik und griechische Mythologie bis hin zu den indischen Philosophien und der deutschen Mystik des Mittelalters. Dabei verbrachte Gjellerup über 27 Jahre, d.h. den überwiegenden Teil seiner Autorenschaft, in Deutschland, wobei er nach kurzer Zeit seine Werke nicht mehr auf Dänisch, sondern mehr und mehr auf Deutsch verfaßte und sie selbst hinterher ins Dänische übersetzte.

Gjellerup muss demnach sowohl als dänischer, als auch als deutscher Schriftsteller gelten. Während er von der deutschen literarischen Öffentlichkeit akzeptiert wurde, erwies sich die Akzeptanz von der dänischen Seite in zunehmendem Masse als schwierig. Nach seinem Tode wurden seine Werke, bis auf wenige Ausnahmen, weder in Deutschland, noch in Dänemark verlegt. Das führt zu der berechtigten Frage, warum das Interesse an Gjellerups Werken nach seinem Tode erloschen ist und seine Werke in Vergessenheit geraten sind? Liegt es an der Themenwahl oder vielleicht an seinem Stil? Sind seine Problemstellungen nicht mehr aktuell oder divergiert unsere moderne Auffassung von Literatur so sehr von der damaligen, dass seine Werke unmodern wirken? Hat man ihn in Dänemark vergessen, weil er nach Deutschland emigriert und in der Folge des deutsch-dänischen Krieges von 1864 Opfer eines politischen Spiels geworden ist?

Diese und andere Fragen berechtigen zu dem Versuch, Gjellerups Werk in neuer Weise kritisch zu beleuchten und zu hinterfragen. Ziel dieser Arbeit ist, die Übereinstimmung des Gesamtwerkes Gjellerups an Hand von ausgewählten, repräsentativen Werken in komparativer Weise zu überprüfen und literaturhistorisch einzuordnen.
Dabei sollen die Analysen der ausgewählten Werke, mit besonderem Schwerpunkt auf Komposition und Stilistik, im Vordergrund stehen. Sie werden ausserdem durch Inhaltsangaben ergänzt, da viele der ausgewählten Werke mit der vorliegenden Arbeit zum ersten Mal überhaupt einer literaturwissenschaftlichen Untersuchung unterzogen werden. Der ca. hundertseitige Anhang bietet eine erste umfassende Personalbibliographie zu Gjellerup, die sowohl gedrucktes, als auch ungedrucktes Quellenmaterial beinhaltet.



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