Dissertation: Krise des Begehrens

Krise des Begehrens

Theorien zu Sexualität und Geschlechterbeziehungen im späten 20. Jahrhundert

Schriften zur Kulturwissenschaft, Band 43

Hamburg , 332 Seiten

ISBN 978-3-8300-0501-8 (Print)
ISBN 978-3-339-00501-4 (eBook)

Zum Inhalt

Irgendetwas scheint mit der Liebe und der Sexualität in postmodernen Gesellschaften nicht zu stimmen. Das 20. Jahrhundert hat ein neues Unbehagen zwischen den Geschlechtern gebracht. Ein Drittel aller Ehen werden geschieden. In den Städten sind es bereits etwa die Hälfte. Immer mehr Kinder leben bei nur noch einem Elternteil. Gleichzeitig sinken die Geburtenraten in den westlichen Ländern rapide. Die Regale der Buchhändler biegen sich vor Literatur zum Thema Liebe, Beziehungen und Sexualität. Der Beratungsbedarf ist immens.

Krise des Begehrens setzt sich mit der Frage auseinander, wie die Wissenschaften auf diese Situation reagieren. Mit welchen Modellen beschreiben sie die Veränderungen in den Geschlechterbeziehungen? Der Verfasser untersucht diskurstheoretische, soziologische und psychoanalytische Ansätze. Es zeigt sich, dass bloß auf der Ebene der Sozialstruktur angesiedelte Individualisierungstheorien die Tiefe des Problems, die „Katastrophe“ der Auflösung einer uralten Geschlechterformation, verfehlen. Ihnen mangelt der Begriff der geschlechtlichen Identifikation.

Erst eine historische Lesart der strukturalen Psychoanalyse Jacques Lacans ermöglicht es, die problematischen Beziehungen zwischen Männern und Frauen als eine Krise des Begehrens zu begreifen. In der aktuellen Unübersichtlichkeit findet ein Jahrtausende altes vormodernes Geschlechterverhältnis sein vorläufiges Ende: die genealogische Familie, die Reihe der Urahnen, das Systemen von Sippen und Clans, die durch Heiratsallianzen miteinander verbunden waren.
Dieses vormoderne Geschlechterverhältnis stellte eindeutige, sozial produzierte geschlechtliche Identifikationen zur Verfügung. Im Blick zurück erscheinen manch einem die alten, stabilen Zustände als Goldenes Zeitalter. Der Zerfall des Systems der Allianzen setzt aber auch dessen generative Potenzen frei. Die Zukunft des Eros bleibt offen.

Bisher hat sich noch niemand in vergleichender Weise und aus der Warte eines metatheoretischen Gesichtspunktes mit so heterogenen Ansätzen zur Geschlechterfrage wie den hier diskutierten befasst. Krise des Begehrens behandelt die wichtigsten Denker des Geschlechterverhältnisses: den „Wissensarchäologen“ Michel Foucault, den maßgeblichen bundesdeutschen Soziologen Ulrich Beck, den Politikberater der britischen Regierung Anthony Giddens, den systemtheoretischen Großsoziologen Niklas Luhmann und den legendären, von Heidegger, Hegel und Lévi-Strauss beeinflussten Psychoanalytiker Jacques Lacan.

Thomas Gebel gibt damit zugleich eine Einführung in diejenigen Theorien an die Hand, die sich mit dem Geschlechterverhältnis auseinandersetzen. So informieren die einzelnen Kapitel in verständlicher Weise über so komplexe Ansätze wie die Luhmannsche Systemtheorie und die strukturale Psychoanalyse. Auch das schwierige Spätwerk Lacans bleibt nicht, wie sonst so häufig in den Darstellungen dieses sperrigen Denkers, ausgespart. Krise des Begehrens setzt sich zudem erstmalig mit dem Werk des bisher zu unrecht wenig rezipierten, aber äußerst fruchtbaren Theoretikers und eigenwilligen Lacanianers Matthias Waltz auseinander.

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