Forschungsarbeit: Der Parallelschwung im alpinen Skilauf, Technik, Sensomotorik, Lernen

Der Parallelschwung im alpinen Skilauf, Technik, Sensomotorik, Lernen

Schriften zur Sportwissenschaft, Band 28

Hamburg , 118 Seiten

ISBN 978-3-8300-0459-2 (Print)

Zum Inhalt

Die Abhandlung bietet ein psychologisch-didaktisches Gerüst zur Erstellung eines Skilehrplanes.
Carving ist nur ein Aspekt des Skilaufs, da das allgemein richtige alpine Verhalten im Parallelschwung aus Übergängen zwischen gedrifteten und geschnittenen Phasen besteht, wie die durchgeführte mechanische Betrachtung des Skilaufs zeigt. Unter Betonung von „mehr... oder weniger“- Relationen und der Wechselwirkung der Komponenten wird eine Funktionsphasenstruktur von qualitativen Wirkmechanismen zu einem Doppelschwung mit dem geraden Ski, dem Slalomski der 90iger Jahre, und dem Carvingski, der im Freizeit- und Slalomfahren die Hauptrolle spielt, erstellt.

Die Technik konnte sich nur graduell und nicht grundlegend gegenüber der alten Beinschwungtechnik der Österreicher ändern. Die Amplituden des Körpers sind nur reduziert. Es besteht eine Affinität zum „grundlegenden Können“ (Deutscher Skilehrerverband, 2000).
Jedoch kritisiert der Verfasser konstruktiv diesen Begriff. Er trifft im Inhalt eher die Fertigkeit „unterschiedlich Stehen“, die der Fahrer dahingehend einsetzt, um sich bei der Schwungein- und -überleitung aus dem Gleichgewicht und bei der Schwungsteuerung wieder ins Gleichgewicht zu bringen (Kompensationstechnik). Auch die offene Körperhaltung (Rumpfvorseitbeuge) wird aus der Sicht der Sensomotorik begründet.
Während die Fertigkeit grundsätzlich nur eine schematische Bewegungsvorstellung (schéme) beinhaltet, muß der Könnensbegriff als Integration der Anpassungsleistungen des sensomotorischen Systems zu einem feed forward mit geringem feed back aufgefaßt werden. Der Lernprozeß führt zu besseren Korrekturen in Ausnutzung von Schnee und Gelände. Ohne deren Einwirkung auf die Reibung ist die Vor- und Nachregulation mit Vor- und Rückverlagerung nicht durchführbar. Die zu ermöglichende Variabilität im Verhalten als Lebendigkeit des Sichbewegens verkörpert auch im Skilauf die notwendige Grundlage des sensomotorischen Lernens von Anfang an.
Somit ist das Können nicht die letzte Stufe des motorischen Lernprozesses, sondern immer grundlegende Vorraussetzung zu einem komplizierteren. Die Klassifizierung des Könnens im Sinn von „mindestens auf jedem Fall erfolgreich durchführen, bewältigen (coping-behavior)“ geht folglich von Geländetypen, nicht von der Grundfertigkeit im Sinn von „grundlegendes Können“ - „offene Technik“ (DSLV) - nur gering geöffnet - aus. (Es handelt sich um einen Diskussionsstand (2000)).

Unter Herausstellung der Lernaufgaben mit dem Hinweis auf verschiedene motorische Theorien, auch in teilweiser Bestätigung und Überwindung der Schematheorie durch die Biopsychologie und aus der Beschreibung des kindlichen spontanen Verhaltens im motorischen Lernen wird vornehmlich das variable Üben im Gelände mit dem Kurzski und dessen schrittweiser Verlängerung unter dem Schwerpunkt „vielseitige Beherrschung bis zur Barriere des langen Ski“ favorisiert.
Der Prozeß gestattet einen fließenden Übergang vom „Können“ der Grundmotorik in ein neu definiertes „grundlegendes Können“ mit dem Ski, das in dieser Abhandlung als Könnenstechnik bezeichnet wird. Ergebnisse aus der Erforschung des Motorcortex können einerseits Leistungen zu speziellen Aufgabenlösungen im Skifahren erklären und andererseits eine Bewegungsvorstellung im Sinne eines realen Planes dahingehend relativieren, daß die Areale des Motorcotex zunächst aus dem Tun vom Körper erfahren müssen, bevor ein relativ reales, assoziatives Bewegungsschema des Sichbewegens erstellt werden kann. Grundsätzlich wird plausibel gemacht, daß Skifahren „erfahren werden muß“, um eine fließende Sequenz der Bewegung im Gelände zu erreichen. Das Auswählen der Aufgaben zum freien Fahren erfordert den erfahrenen, hauptberuflichen Skilehrer.

Die beschriebenen Mehrfachaufgaben während der Fahrt, die Tätigkeit der Sinne, ihr Zusammenspiel in Kohärenz machen plausibel, daß der Begriff des geistesgegenwärtigen Verarbeitens von Perzeptionen durch das nötige Tempo, verbunden mit dem Situationswechsel im Gelände, sehr begrenzt ist. Die Inhalte der Sinne stellen nur ein Alphabet des Sichbewegens dar.
Somit findet das Lernen zum großen Teil außerhalb der Bewegungsvorstellung statt, indem sich aus dem Üben Aufmerksamkeitsressourcen (Koordinationsressourcen) bilden. Stürze und Beinahestürze tragen zum Aufbau eines Könnens auf der Grundlage des Kurzskifahrens in Verbindung mit der Geländeerfahrung bei. Die Festlegung einer Verhaltenstechnik ist schon deshalb nicht möglich, da wir nicht das exakt ausführen können, was wir uns in gedachten Einzelheiten vornehmen.
Daher sollte die österreichische Beinspieltechnik mit ihren Bewegungsspielräumen - aber nicht im Extrem - die grundlegende Könnenstechnik darstellen, da sie die Eigenschaften des Geländes, auch bei unterschiedlichem Schnee impliziert. Sie ergibt sich mit der engeren Skiführung im Doppelschwung von selbst, wie die Beobachtung von Kindern zeigt.

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