Dissertation: Interessenverbände in der Demokratie - Verursacher rückläufiger Wachstumsraten?

Interessenverbände in der Demokratie - Verursacher rückläufiger Wachstumsraten?

Eine Analyse entlang des Argumentationsstrangs von Mancur Olson

POLITICA – Schriftenreihe zur politischen Wissenschaft, Band 45

Hamburg , 260 Seiten

ISBN 978-3-8300-0370-0 (Print)

Zum Inhalt

Die Theorie der institutionellen Sklerose von Mancur Olson hat nach ihrer Publikation im Jahre 1982 viel Aufsehen erregt. Ihr zufolge führen die Aktivitäten von Interessenverbänden dazu, dass die wirtschaftlichen Wachstumsraten der betroffenen Länder mit zunehmender Dauer ihrer politischen Stabilität immer stärker sinken.

Diese Arbeit untersucht die Theorie von Olson genauer. Sie bestätigt Olson in der Einschätzung, dass Interessenverbände Forderungen stellen, deren Umsetzung das wirtschaftliche Wachstum senkt. Keine Unterstützung findet jedoch die These, wonach die Zahl der Interessenverbände mit der Dauer der politischen Stabilität des Landes zunimmt. Vielmehr deuten die Ergebnisse einer in dieser Arbeit durchgeführten empirischen Analyse darauf hin, dass dieser Anstieg eine Begleiterscheinung der wirtschaftlichen Wachstums sein könnte.

Damit stellt sich die Frage, ob die Verbände für die oft beobachtete Verlangsamung des wirtschaftlichen Wachstums entwickelter Volkswirtschaften verantwortlich sein können, was dann der Fall ist, wenn mit der Anzahl der Verbände auch ihr Einfluss steigt. Die Beantwortung dieser Frage steht im Zentrum der Arbeit. Dazu wird ein differenziertes polit-ökonomisches Modell entwickelt, das das Zusammenspiel von Parteien, Wählern und Verbänden bei der politischen Entscheidungsfindung in seinen Grundzügen nachstellt. Aufgrund der hohen Komplexität ist das Modell gut dazu geeignet zu demonstrieren, wie sich verschiedenste Veränderungen der politischen Landschaft auf das Ergebnis des politischen Entscheidungsprozesses auswirken.

Die Analysen zeigen, dass neben den Verbänden vor allem die sogenannten dominant-issue-voters, d. h. diejenigen Wähler, die ihre Wahlentscheidung vorwiegend anhand eines einzelnen Punktes der politischen Agenda (etwa der Agrar- oder Gesundheitspolitik) treffen, Einfluss auf den politischen Entscheidungsprozesses haben. Besonders mächtig sind sie dann, wenn sie zusätzlich von einem Interessenverband vertreten werden. In einer umfassenden computergestützten Simulationsanalyse wird das Modell angewendet, um die oben genannte Frage zu prüfen. Dabei zeigt sich, dass der politische Einfluss der Interessenverbände nicht von ihrer Anzahl, sondern vielmehr von der Zahl der dominant-issue-voters abhängt, die von ihnen vertreten werden. Ein Anstieg der Zahl der dominant-issue-voters, nicht der Interessenverbände, gefährdet das wirtschaftliche Wachstum entwickelter und demokratisch regierter Volkswirtschaften.

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