Doktorarbeit: Der Schlüssel zu Heines »Romanzero«

Der Schlüssel zu Heines »Romanzero«

POETICA – Schriften zur Literaturwissenschaft, Band 56

Hamburg 2001, 290 Seiten
ISBN 978-3-8300-0316-8 (Print)

1848, Ästhetik, Allegoriie, Heinrich Heine, Juden, jüdisch, Literaturwissenschaft, Romanze, Romanzero

Zum Inhalt

Helmut Landwehrs Auseinandersetzung mit dem großen Romanzenzyklus des „Dichters in der Matratzengruft“ Heinrich Heine von 1851 gibt dem Leser mit dem Nachweis der allegorischen Struktur dieser Texte den „Schlüssel“, unter ihrer Oberfläche verborgene Schichten freizulegen. Dabei geht er aus von Irritationen in den Texten, die die Heineforschung bisher zwar zur Kenntnis, aber nicht weiter wichtig nahm. An die literaturwissenschaftliche Methode des „New Historicism“ erinnert das gründliche Archivstudium, das der Verfasser historischen Zusammenhängen widmet, auf die sich der Dichter bezieht, und das die Romanzen neu lesen lässt.

Insbesondere gelingt es dem Autor, die verschwiegene jüdische Geschichte zu erschließen, die mit dem Selbstverständnis Heines als jüdischem Dichter eine nach dem Pariser Juni 1848 unverändert sozialistische Position verknüpft.

Jüdisch ist auch die literaturgeschichtliche Traditionslinie, die Heine, vom biblischen Jeremias ausgehend, über den spanischen Dichter des Mittelalters Jehuda Halevy zu sich selbst als Schriftsteller der Moderne führt und damit eine (von literaturwissenschaftlicher Forschung kaum beachtete) östlich-orientalische der westlich-abendländischen (Homer, Dante, Goethe) entgegensetzt.

Nicht resignativ zum mosaischen Glauben zurückgekehrt, sondern theologisch, politisch und ästhetisch weit in die Zukunft orientiert erscheint in Landwehrs Deutung der auf den Tod kranke Dichter.

In seinem Dissertationsgutachten stellt der Heineforscher und Herausgeber einer umfassend kommentierten „Romanzero“-Taschenbuchausgabe Joachim Bark fest: „Die Arbeit macht sich sehr viel Mühe, zumal in der sorgfältigen Auseinandersetzung mit der Forschung in Anmerkungen, die an einigen Stellen sehr viel Format haben, oder in den methodischen Rückversicherungen, die stets auf den (als ziemlich klein gesetzten) Schritt des zu informierenden Lesers Rücksicht nehmen. Diese Mühe ist gut angewandt, denn die Heine-Forschung kann von Landwehrs detailfreudiger Arbeit auf jeden Fall im Einzelnen viel profitieren. Ob sie den Entwurf im Ganzen annimmt, hängt mit der Bereitschaft der maßgeblichen - sprich: um das Düsseldorfer Heine-Institut und die angeschlossene Gesellschaft versammelten - Forschergruppe zusammen, sich kritisieren zu lassen; und sie hängt mit der Auffassung von der Abschließbarkeit von Lektüren überhaupt zusammen. Landwehrs entschlossene und überzeugende Hinwendung zur Allegorie lässt jedenfalls weitere Studien zum ‘Romanzero‘ erwarten.“



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