Dissertation: Kalinga und seine Hauptstadt in frühgeschichtlicher Zeit

Kalinga und seine Hauptstadt in frühgeschichtlicher Zeit

Zum Bedeutungswandel einer geographischen und ethnischen Bezeichnung

Studien zur Geschichtsforschung des Altertums, Band 7

Hamburg , 524 Seiten

ISBN 978-3-8300-0190-4 (Print)

Zum Inhalt

Das Buch beschäftigt sich mit Problemen der historischen Geographie im frühgeschichtlichen Osten Indiens. Um die ethnischen und geographischen Bezeichnungen innewohnende historische Dynamik darzustellen, unternimmt der Autor die exemplarische Analyse eines umfassenden Quellenkorpus. Flankiert von zahlreichen quellenkritischen Untersuchungen wird dargestellt, welche Entwicklung der Begriff „Kalinga“ im Laufe der Frühgeschichte nahm. Innerhalb des betrachteten Zeitraumes, etwa das Jahrtausend um die Zeitenwende umfassend, wandelte sich sein territorialer Gehalt beträchtlich, so dass das frühe Kalinga, im zentralen Küstentiefland des heutigen indischen Bundesstaats Orissa gelegen, mit dem späteren, deutlich weiter südlich zu lokalisierenden, außer dem Namen nichts gemeinsam hatte.

Nicht nur der Wandel hinsichtlich Lage und Ausdehnung Kalingas, sondern auch der sich verändernde soziale Status seiner Bewohner werden ausführlich dargelegt. Der Autor zeigt auf, wie sich das Prestige der Kalingas im Lauf der Jahrhunderte von dem verachteter und ausgegrenzter Barbaren zu dem von Edelmännern und religiös akzeptablen Stiftern entwickelte. Hierbei werden die Unterschiede in der Repräsentation des Landes bzw. seiner Bewohner nicht nur in chronologischer Hinsicht, sondern auch nach Textgattungen und den spezifischen Interessen von Autoren und Diaskeuasten der literarischen und epigraphischen Zeugnisse herausgearbeitet.

Eine weitere Quellengattung trägt zum Verständnis der sozialen und ökonomischen Gründe bei, die für derartige Prozesse verantwortlich sind: Es handelt sich um Relikte der materiellen Kultur, deren Entwicklung anhand der archäologischen Funde und Befunde der frühgeschichtlichen Hauptstadt Kalingas dargestellt wird. Dazu muss diese Stadt zunächst zweifelsfrei lokalisiert werden. Sowohl schriftliche als auch archäologische Quellen zeigen, dass während des gesamten hier betrachteten Zeitraums Sisupalgarh, ein bedeutendes Fort in der Nähe der heutigen Landeshauptstadt Bhubaneswar, dieses politische und militärische Zentrum Kalingas war. Der Autor unterzieht die in der Fachliteratur für diesen Fundort bisher zugrunde gelegte Chronologie einer gründlichen Revision und kommt dabei zu Ergebnissen, die eine Parallelisierung der Geschichte Sisupalgarhs mit den Beobachtungen über die Entwicklung des Kalinga-Begriffs in den zuvor behandelten Quellen gestatten.

In dieser Synthese ergibt sich ein kohärentes Bild. Nach Jahrhunderten zunehmender wirtschaftlicher Bedeutung und wachsenden gesellschaftlichen Ansehens, die sich im archäologischen Material erkennen lassen und in den schriftlichen Quellen ihren Niederschlag fanden, kam es etwa in der Mitte des 4. Jh.n.Chr. zu einem ökonomischen Einbruch, der in einer De-Urbanisierung mündete: Sisupalgarh und andere Siedlungen wurden um diese Zeit aufgelassen. Dies hatte offensichtlich auch politische Konsequenzen, wie die territorialen Umbenennungsprozesse, die gleichzeitig auf dem Gebiet und in den Grenzbereichen des frühgeschichtlichen Kalingas eingeleitet wurden, erkennen lassen. Die hier untersuchte Entwicklung findet in der Mitte des 1. Jtsd.n.Chr. ihr Ende, als sich für das frühe Mittelalter typische politische und sozioökonomische Strukturen herausbilden und die politische Landkarte dieses Teils der indischen Ostküste ihre frühmittelalterliche Gestalt annimmt.

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