: Bildung als Widerstand

Bildung als Widerstand

Pädagogik und Politik bei Heinz-Joachim Heydorn

EUB. Erziehung – Unterricht – Bildung, Band 77

Hamburg , 347 Seiten

ISBN 978-3-8300-0061-7 (Print)

Zum Inhalt

Angesichts der relativ geringen Resonanz, die das Werk des wenig bekannten Frankfurter Pädagogen Heydorn (1916-1974) insgesamt erfahren hat, erscheint es auch im historischen Interesse legitim, seine Gedanken zu vergegenwärtigen. Entsprechend gibt dieses Buch einer inhaltlichen Darstellung seiner Ausführungen angemessen Raum. Dies geschieht besonders an Themen, die im weitesten Sinne biographische Relevanz haben bzw. damit das Verständnis seiner theoretischen Position erleichtern (etwa Heydorns Stellung zur geistigen Entwicklung der Epoche oder seine Beurteilung der aktuellen bildungstheoretischen Diskussionen seiner Zeit).

Mit dem historischen wird ein systematisches Interesse an Heydorns Werk verbunden. Die Autorin zeigt, dass Heydorns Überlegungen zur Funktion von Widerstand im Kontext von Bildung als Beitrag zu einer systematischen Problemstellung der Erziehungswissenschaft gelesen werden können. Verwandt mit der Frage des Widerständigen als Ausdruck von Selbstbestimmung ist die grundlegende Frage nach der Bedeutung von Gehorsam und Ungehorsam, Anpassung und Abgrenzung im Prozess der menschlichen Entwicklung. Widerstand wird als Kategorie verstanden, die als theoretischer Bestandteil eines dialektischen Bildungsbegriffs für die Pädagogik schon immer bedeutsam war. In der Geschichte der Pädagogik wurde diese Dialektik unterschiedlich hervorgehoben, wobei der Eindruck entstehen kann, als sei der affirmativen Komponente des Bildungsbegriffs überwiegend mehr Beachtung geschenkt worden. Daran gemessen scheint Heydorn aus der Reihe zu fallen, wenn er zu den Bedingungen und Konsequenzen von Bildung die Selbstbehauptung durch Widerstand gegen Fremdbestimmung hervorhebt. Voraussetzung dafür ist Bewusstsein: das Wissen um die Sinndeutung des Menschlichen und die Erkenntnis der Realität. Bildung ist zuerst Bewusstseinsbildung und dann Befreiung aufgrund rationaler Erkenntnis.

Dieser zentrale Kern der Bildungstheorie Heydorns ist damals wie heute aktuell und verdient es, in der wissenschaftlichen Öffentlichkeit diskutiert zu werden. Deshalb stellt die Autorin der historischen Problemstellung des politischen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus eine systematische Erörterung voran, die den Sachverhalt „Widerstand“ zunächst über seine rechtsphilosophische Bedeutung zu klären sucht, um dann seine pädagogische Dimension anzuzeigen.

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