Zum Inhalt
Das deutsche Strafrecht sieht Strafbarkeitsausschlüsse auf Grund von einer Opferbeteiligung am Unrechtsgeschehen nur in sehr begrenztem Maße vor. Rechtsinstitute, wie das Einverständnis oder die Einwilligung, lassen zwar kraft Opferwillens die Strafbarkeit entfallen, jedoch stellen sie kein einheitliches Instrument dar, welches jede Form der Opfermitwirkung umfasst. Dennoch lassen sich eine Vielzahl weiterer Situationen andenken, in denen das Opfer die Tat zu seinen Lasten in erheblicher Weise beeinflusst, insbesondere durch unvernünftiges oder leichtgläubiges Verhalten. Hierfür sei nur an besonders naive Betrugsopfer gedacht, die einer Täuschung schneller als durchschnittlich aufmerksame Personen unterliegen. Doch ab wann erreicht dieses, durch Unvernunft oder Sorglosigkeit erhöhte, Risiko einer Gefährdung der eigenen Rechtsgüter des Opfers ein solches Ausmaß, dass die Angemessenheit strafrechtlicher Haftung des Täters überdacht werden muss? Wo verläuft die Grenze zwischen staatlichem Schutzauftrag einerseits und Autonomie- bzw. Eigenverantwortungsprinzip andererseits? Diese Schnittstelle betrifft die Legitimation staatlicher Strafe in Konstellationen, in denen eine Straftat durch (un-)bewusstes Opferverhalten stark erleichtert wird, sodass auch Handlungen geringer krimineller Intensität den Straftatbestand erfüllen. Dies wirft die Frage auf, wer in diesem Grenzbereich zwischen geringem Selbstschutz des Opfers und strafrechtswidrigem Verhalten des Täters welches Risiko (noch) zu tragen hat. Der Ergründung dieses Problemkreises rund um die Abgrenzung von Verantwortungsbereichen, geht die vorliegende Arbeit nach. Anhand von vier exemplarischen Fallgruppen, welche in verschiedener Ausgestaltung das Problem abbilden, wird die höchst- und obergerichtliche deutsche Rechtsprechung analysiert. Aus den Untersuchungsergebnissen werden Rückschlüsse gezogen, durch die auf einen adäquaten Umgang mit einer Opfermitverantwortung am Straftatgeschehen gefolgert wird.
Bibliografische Daten
| Autorin | Celeste Hahn |
| Titel | Der Schutz des Unvernünftigen im Strafrecht |
| Seiten | 290 |
| Erscheinungsjahr | 2026 |
| Erscheinungsdatum | 04.09.2026 |
| Ort | Hamburg |
| ISBN (Print) | 978-3-339-15102-5 |
| eISBN (eBook) | 978-3-339-15103-2 |
| Schriftenreihe | Strafrecht in Forschung und Praxis |
| Band | 443 |
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