Lutz Seidel und Paul Martin Neurodivergenz und Substanzen
Funktionaler Gebrauch zwischen Selbstregulation, Selbstsorge und Stigma
Hamburg 2026, 228 Seiten
Zum Inhalt
Substanzgebrauch wird oft als individuelles Problem beschrieben. Dieses Buch zeigt, dass er im Zusammenspiel von Wahrnehmung, Körper und sozialer Umwelt entsteht. Es untersucht, wie sensorische Belastungen, interozeptive Dynamiken und gesellschaftliche Normen Suchtverhalten prägen. Dabei wird deutlich, dass Substanzgebrauch nicht allein aus Entscheidungen entsteht, sondern aus komplexen Wechselwirkungen zwischen biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren.
Der Band verbindet neurobiologische Erkenntnisse mit kulturwissenschaftlichen Analysen. Er zeigt, wie Menschen Substanzen nutzen, um Reizüberflutung zu regulieren, Körperzustände zu verändern oder soziale Erwartungen zu bewältigen. Gleichzeitig macht er sichtbar, wie Ungleichheit, Stigma und institutionelle Strukturen beeinflussen, wer Unterstützung erhält und wer nicht.
Das Buch bietet ein mehrdimensionales Modell, das über klassische Erklärungen hinausgeht. Es richtet sich an Fachpersonen aus Psychologie, Sozialarbeit, Medizin und Kulturwissenschaft sowie an alle, die Substanzgebrauch in seinen sozialen und körperlichen Zusammenhängen verstehen wollen. Die Analyse eröffnet neue Perspektiven für Prävention, Beratung und gesellschaftliche Debatten.
Bibliografische Daten
| Autor:innen | Lutz Seidel und Paul Martin |
| Titel | Neurodivergenz und Substanzen |
| Untertitel | Funktionaler Gebrauch zwischen Selbstregulation, Selbstsorge und Stigma |
| Seiten | 228 |
| Erscheinungsjahr | 2026 |
| Erscheinungsdatum | 07.07.2026 |
| Ort | Hamburg |
| ISBN (Print) | 978-3-339-15028-8 |
| eISBN (eBook) | 978-3-339-15029-5 |
| Schriftenreihe | Schriftenreihe Gesundheitswissenschaften |
| Band | 40 |
Zu den Personen

Lutz Seidel und Paul Martin begleiten sich seit acht Jahren als neurodivergente Menschen. Trotz eines Altersunterschieds von fast vier Jahrzehnten verbindet sie eine tiefe Freundschaft und ein gemeinsamer Zugang zu Wahrnehmung, Identität und gesellschaftlichen Ordnungen. Ihre Zusammenarbeit entstand aus dem Austausch über eigene Erfahrungen und entwickelte sich zu einem langfristigen wissenschaftlichen Projekt.
Lutz Seidel, Jahrgang 1970, forscht unabhängig in den Bereichen Kulturwissenschaft, Substanzgebrauch, Psychologie und Physik. Sein Schwerpunkt liegt auf der Analyse sozialer Normen, Wahrnehmungsdifferenzen und kultureller Kategorien. Paul Martin, Jahrgang 2007, bringt als junger Forscher eine außergewöhnliche analytische Klarheit und ein tiefes Spezialinteresse für Neurobiologie, Geschlecht und neurodivergente Wahrnehmung ein. Er ist federführend für die biologischen und geschlechtertheoretischen Teile der Trilogie verantwortlich.
Die drei Bände entstanden aus der Verbindung ihrer unterschiedlichen Perspektiven. Seidel und Martin zeigen, wie Autismus, Substanzgebrauch und geschlechtliche Identität nicht isoliert verstanden werden können, sondern in einem Gefüge aus Körpererleben, Wahrnehmung, sozialer Lesbarkeit und kulturellen Deutungsordnungen entstehen. Ihre gemeinsame Arbeit ermöglicht einen breiten, interdisziplinären Blick, der theoretische Tiefe mit persönlicher Erfahrung verbindet.
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