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Coverabbildung: Dissertation, „Nicht nur ‚große Männer‘ – Hauptfiguren im Werk Christian Dietrich Grabbes“ von André Hischemöller

André Hischemöller Nicht nur ‚große Männer‘ – Hauptfiguren im Werk Christian Dietrich Grabbes

Hamburg 2026, 392 Seiten

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Zum Inhalt

Christian Dietrich Grabbe (1801–1836) war Zeit seines Lebens ein Außenseiter, der sich radikal gegen das klassisch-romantische Erbe auflehnte und sich in seinem singulären literarischen Schaffen unverstanden fühlte. Die germanistische Forschung widmet sich in besonderer Weise den Geschichtsdramen des Schriftstellers und betont oft die Existenz so genannter ‚großer Männer‘, die seine Schauspiele dominierten.

André Hischemöller setzt sich zum Ziel, die Idee des heroischen ‚großen Mannes‘ zu nuancieren. So gilt es aufzuzeigen, dass Christian Dietrich Grabbe in jedem seiner Dramen originäre Männer- und Frauenfiguren präsentiert, die sich durch eine ihnen eigene Spezifik auszeichnen. Zu diesem Zweck werden alle Grabbe’sche Dramen in textnahen Einzelbetrachtungen untersucht, die sich an der Chronologie von Grabbes Gesamtwerk orientieren.

So schlägt die Studie eine neue Perspektive auf die Hauptfiguren des Detmolder Autors vor, denn diese sind nicht nur flat characters ohne persönliche Autonomie und Charakterentwicklung. Sie sind, ob heroisch inszeniert oder nicht, dramatische Geschöpfe sui generis, die sich durch Originalität und Facettenreichtum auszeichnen. Schon Theodor von Gothland, der Protagonist von Grabbes Erstlingswerk, fällt durch seine mehrdimensionale Gestaltung auf. Auch die Protagonisten und Antagonisten des unvollendeten Dramenzyklus Die Hohenstaufen (1829), Friedrich Barbarossa, Heinrich der Sechste sowie Heinrich der Löwe, offenbaren eine ungeahnt vielseitige und bisweilen ambivalente Konturierung. Unverkennbar wird die Figur des Napoleon im Drama Napoleon oder Die hundert Tage (1831) nicht durch ihren Charakter, sondern gerade durch eine polyphone und apsychologische Zeichnung.

Interessant ist ebenfalls, dass nicht alle Grabbe’schen Protagonisten die männlichen Rollenstereotype des 19. Jahrhunderts bedienen. So können sich Hermann in Die Hermannsschlacht (1836) oder der Cid im gleichnamigen Drama nur wenig gegenüber ihren Partnerinnen durchsetzen. Demgegenüber gibt es einige Frauen im Œuvre des Dramatikers, wie Liddy in Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung (1822) oder Olympia in Aschenbrödel (1829/1835), die ebenso eine Stellung als exponierte Figur oder als dominante Protagonistin beanspruchen können.

„Und nur Abwechslung gibt dem Leben Reiz“, erklärt Don Juan in Grabbes Drama Don Juan und Faust. Dieses Zitat könnte man nach der Lektüre dieser Neuinterpretation auch auf die differenziert gezeichneten Hauptfiguren Grabbes anwenden und so den Umgang des Dramatikers mit seinen Figuren neu bewerten.

Bibliografische Daten

Autor André Hischemöller
Titel Nicht nur ‚große Männer‘ – Hauptfiguren im Werk Christian Dietrich Grabbes
Seiten 392
Erscheinungsjahr 2026
Ort Hamburg
ISBN (Print) 978-3-339-14950-3
eISBN (eBook) 978-3-339-14951-0
Schriftenreihe POETICA – Schriften zur Literaturwissenschaft
Band 183

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