Rainer Hillenbrand Einführung in Lessings Gedankenwelt und Lebenswerk
Hamburg 2026, 312 Seiten
Zum Inhalt
Lessing gehört zu den Siegern der Literaturgeschichte. Deshalb wird gewöhnlich auch dort seine Partei genommen, wo seine Ansichten und Meinungen fragwürdig sind. Diese kritische Einführung in sein Denken und Schaffen soll seine literarischen und charakterlichen Stärken würdigen, aber auch seine argumentativen Schwächen aufzeigen, um ein ausgewogenes Bild seiner künstlerischen, theoretischen und historischen Bedeutung zu gewinnen. Die Grundlage bietet eine textnahe Charakteristik seiner Überzeugungen und Absichten, die möglichst im Wortlaut zitiert werden.
Lessings Stärken und Schwächen sind, wie bei seinen Dramenhelden, untrennbar verbunden. Im Namen der Humanität fordert er Toleranz, übt selbst aber aus Wahrheitsliebe eine polemische Intoleranz gegen das seiner Meinung nach Falsche. Gerade in seinen theologischen Disputen beansprucht er zu Unrecht die richtige Mitte zwischen falschen Extremen. Tief verwurzelt im Aufklärungsdenken liegt seine Bedeutung dort, wo er aus ihm herauswachsen kann. Das gilt besonders für seine Gefühlsästhetik und seinen Kampf gegen den reglementierten Klassizismus. Andererseits bleibt seine Neigung zum Systematisieren und Definieren immer in einem unaufgelösten Konflikt mit dem historischen Entwicklungsdenken. In ähnlicher Weise widerstreiten sich in seinem Denken Kulturpatriotismus und Weltbürgertum, Individualismus und Allgemeingültigkeit. Erst die Weimarer Klassik hat in seiner Nachfolge das Verhältnis und die jeweilige Gültigkeit dieser Gegensätze geklärt.
Lessings Bedeutung liegt in seiner Wirkung. Seine Unterscheidung der Kunstarten hat die ästhetische Diskussion gefördert, und mit seiner Forderung nach gemischten Charakteren hat er das Drama lange Zeit bestimmt. So hat es eine gewisse Ironie, daß er gerade mit einem weltanschaulichen Tendenzdrama mit ganz ungemischten Charakteren den stärksten Eindruck hinterließ. Im Zusammenhang mit seiner Religionspolemik läßt sich hierbei die innere Widersprüchlichkeit seiner Toleranzforderung zeigen, die ohne sein Wahrheitsethos bis heute zur Unterdrückung abweichender Denkweisen mißbraucht wird. Auch in der Frage, ob man die Wahrheit allein mit der Vernunft wirklich erkennen oder sich ihr immer nur annähern kann, gibt Lessing widersprüchliche Antworten. Er ist an der Schwelle zur Selbstkritik der Vernunft und zur Erkenntnis ihrer Grenzen stehen geblieben, hat sie aber doch deutlich erkennbar gemacht.
Bibliografische Daten
| Autor | Rainer Hillenbrand |
| Titel | Einführung in Lessings Gedankenwelt und Lebenswerk |
| Seiten | 312 |
| Erscheinungsjahr | 2026 |
| Erscheinungsdatum | 26.03.2026 |
| Ort | Hamburg |
| ISBN (Print) | 978-3-339-14872-8 |
| eISBN (eBook) | 978-3-339-14873-5 |
| Schriftenreihe | Studien zur Germanistik |
| Band | 119 |
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