Dmytro Memari Fard Von Worten zu Ideologie – Eine kritische Untersuchung der ersten deutschen Gesamtausgabe von Fedor Dostoevskijs Werken
Einfluss der Übersetzung auf die Rezeption der National- und Weltliteratur
Hamburg 2026, 198 Seiten
Zum Inhalt
Die erste deutsche Gesamtausgabe von Fedor Dostoevskijs Werken war mehr als eine bloße Übertragung: Sie rahmte die Literatur aktiv, glättete sie und machte sie für bestimmte Deutungen anschlussfähig.
Historisch im Fokus steht die legendäre, ab 1906 erschienene Edition. Sie war über Jahrzehnte die wirkmächtigste Dostoevskij-Quelle im deutschen Sprachraum und prägte Generationen. Entstanden in der Zusammenarbeit russischer und deutscher Kulturvermittler, führte sie zur Bekräftigung folgenschwerer deutsch-nationalistischer Denkmuster. Diese Studie untersucht erstmals umfassend alle Bände dieser Ausgabe und weist nach, wie sich diese ideologische Aufladung tief in die sprachliche Struktur eingeschrieben hat.
Auf Basis minutiöser Textvergleiche zeigt die Arbeit, dass die Übersetzungsentscheidungen und editorischen Eingriffe wiederkehrenden Mustern folgen. Sie verschieben Ton, Wertungen sowie religiöse und geschlechtliche Marker. Die quantitative Analyse von Vorworten und Paratexten erweitert den Blick: Übersetzung erscheint als kulturpolitische Praxis, die Lesbarkeit, Autorbild und Wirkung aktiv mitproduziert.
Methodisches Herzstück ist das vom Autor entwickelte Less-Model, ein translatologisches Instrument, das Abweichungen und ihre Effekte systematisch erfassbar macht. Die Arbeit argumentiert, dass Politisierbarkeit kein Randphänomen, sondern ein Strukturmerkmal von Literaturübersetzung ist.
Ein Buch für alle, die Übersetzung nicht als neutralen Kanal, sondern als Ort der Bedeutungsproduktion verstehen.
Bibliografische Daten
| Autor | Dmytro Memari Fard |
| Titel | Von Worten zu Ideologie – Eine kritische Untersuchung der ersten deutschen Gesamtausgabe von Fedor Dostoevskijs Werken |
| Untertitel | Einfluss der Übersetzung auf die Rezeption der National- und Weltliteratur |
| Seiten | 198 |
| Erscheinungsjahr | 2026 |
| Erscheinungsdatum | 22.09.2026 |
| Ort | Hamburg |
| ISBN (Print) | 978-3-339-14866-7 |
| eISBN (eBook) | 978-3-339-14867-4 |
| Schriftenreihe | POETICA – Schriften zur Literaturwissenschaft |
| Band | 185 |
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Über Dmytro Memari Fard
Dmytro Memari Fard studierte Slavische Philologie, Allgemeine Sprachwissenschaft, Germanistik und Religionswissenschaften und promovierte an der Technischen Universität Dresden. Er beschäftigt sich mit Übersetzungswissenschaft, Literaturrezeption sowie den kulturellen und politischen Bedingungen literarischer Vermittlung. Seine Forschung verbindet textnahe Analyse mit Fragestellungen der Digital Humanities, generativer KI und digitaler Accessibility.
Das vorliegende Buch entstand aus seiner Dissertation und untersucht die erste deutsche Gesamtausgabe der Werke Fedor Dostoevskijs zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Übersetzung, Bearbeitung und editorische Vermittlung das Bild eines Autors prägen können.
Für die Untersuchung entwickelte Memari Fard das Less-Modell, mit dem Bedeutungsverschiebungen in literarischen Übersetzungen systematisch erfasst werden können. In seiner aktuellen Forschung überträgt er diesen Ansatz unter anderem auf KI-generierte Übersetzungen und untersucht neue Formen sprachlicher und kultureller Transformation an der Schnittstelle von Literaturwissenschaft, Übersetzungstechnologie und digitalen Medien.
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