Jean-Louis Rouhart Verbotene Korrespondenz aus nationalsozialistischen Konzentrationslagern
Illegale Briefe und Karten von KZ-Häftlingen
Preis der Auschwitz Foundation Brüssel
Hamburg 2026, 224 Seiten
Zum Inhalt
Das vorliegende Werk ist das Ergebnis einer sorgfältigen Untersuchung illegaler Briefe und Karten aus verschiedenen nationalsozialistischen Konzentrationslagern. Durch ihre Authentizität eröffnet diese Korrespondenz einen unmittelbaren Zugang zur Welt der Lager und zur Denkweise der Häftlinge.
Unabhängig von ihrem historischen Interesse und ihrem emotionalen Aspekt – sie sind oft die letzten Nachrichten oder sogar die letzten Spuren der Opfer – und der Tatsache, dass diese Briefe zu den wenigen persönlichen Dokumenten gehören, die aus dieser Zeit erhalten geblieben sind, überraschen diese Quellen durch ihre Unmittelbarkeit. Sie erwecken seltsamerweise den Eindruck, als seien sie gerade erst geschrieben worden. In seiner Studie vertritt der Verfasser die These, dass die illegale KZ-Korrespondenz zu einem besseren Verständnis der KZ-Problematik beiträgt und wie auch andere Quellengattungen einen epistemologischen Wert aufweist.
In der Studie wird diese „verbotene“ Korrespondenz aus NS-Konzentrationslagern unter verschiedenen Aspekten analysiert. Nach der Erörterung der Frage, inwiefern illegale KZ-Briefe wegen ihrer Form oder ihres Inhalts als illegal zu betrachten sind, wird auf den Umfang dieser Briefe hingewiesen. Nach der Untersuchung der Bedeutung dieser illegalen Briefe für die Häftlinge werden deren verschiedene Funktionen unterschieden. Danach werden die formalen und inhaltlichen Merkmale mehrerer Kategorien illegaler Briefe (darunter gestaltete Formulare und Briefe, Post mit geheimen Botschaften, Kassiber einschließlich der „internen“ Kassiber, aus „Todeszügen“ geworfene Zettel, auf dem Lagergelände versteckte Schriftstücke …) unter die Lupe genommen. Die linguistischen und stilistischen Aspekte der illegalen KZ-Briefe werden ebenfalls beschrieben. Des Weiteren wird in der Studie versucht, die Identität der Verfasser und der Vermittler dieser Briefe näher zu bestimmen.
Im Anhang findet der Leser eine Reihe von Briefen (oder Auszügen aus Briefen), die kommentiert und ins Deutsche übersetzt sind und die vielfältigen Facetten dieser bemerkenswerten Korrespondenz veranschaulichen.
Bibliografische Daten
| Autor | Jean-Louis Rouhart |
| Titel | Verbotene Korrespondenz aus nationalsozialistischen Konzentrationslagern |
| Untertitel | Illegale Briefe und Karten von KZ-Häftlingen |
| Seiten | 224 |
| Erscheinungsjahr | 2026 |
| Erscheinungsdatum | 26.01.2026 |
| Ort | Hamburg |
| ISBN (Print) | 978-3-339-14728-8 |
| eISBN (eBook) | 978-3-339-14729-5 |
| Schriftenreihe | Studien zur Geschichte des Nationalsozialismus |
| Band | 7 |
Preis der Auschwitz Foundation Brüssel 2011
Für die allererste Fassung ( Manuskript): Preis der Stiftung Auschwitz Brüssel (2011)Über Jean-Louis Rouhart
Jean-Louis Rouhart war als Fremdsprachenlehrer an der Fachhochschule Lüttich (Belgien) tätig. Bereits in dieser Zeit entwickelte er ein intensives Interesse an der Erforschung des Holocaust, insbesondere an bislang wenig beachteten Quellen der Lagergeschichte.
Im Rahmen einer ehrenamtlichen Übersetzungsarbeit in der Gedenkstätte des KZ Buchenwald stieß er in lokalen Archiven auf verschlüsselte Briefe des Häftlings Heinrich Adam. Diese Entdeckung bildete den Ausgangspunkt für eine vertiefte wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Korrespondenz von KZ-Häftlingen. In den folgenden Jahren besuchte Jean-Louis Rouhart zahlreiche Gedenkstätten ehemaliger Konzentrationslager, darunter Auschwitz, und recherchierte systematisch Briefe, Bücher und Fachaufsätze zum Holocaust im Allgemeinen sowie zur Häftlingskorrespondenz im Besonderen.
Nach seiner Pensionierung setzte er diese Arbeit in den Bibliotheken belgischer und deutscher Universitäten sowie in weiteren Gedenkstätten fort. Auf Basis dieser umfangreichen Recherchen verfasste er eine Studie in deutscher Sprache, die er bei einem jährlichen Wettbewerb der Auschwitz-Stiftung in Brüssel einreichte und für die er ausgezeichnet wurde. Eine französischsprachige Synthese dieser Arbeit erschien im Verlag Éditions des Territoires de la Mémoire.
In seinen Studien analysierte Jean-Louis Rouhart detailliert mehr als 350 Briefe und entwickelte die These, dass die sogenannten „verbotenen Briefe“ von Häftlingen in nationalsozialistischen Konzentrationslagern – ebenso wie andere zeitgenössische Quellen – einen eigenständigen und nicht zu unterschätzenden epistemologischen Wert besitzen. Diese Forschung ergänzte er später durch eine vertiefte sprachliche und stilistische Analyse sowie durch die Untersuchung von Gedichten, die in geheimen Briefen polnischer Opfer medizinischer Experimente im KZ Ravensbrück enthalten waren. Auch diese Arbeiten wurden in einer französischsprachigen Studie veröffentlicht, herausgegeben von der Auschwitz-Stiftung.
Derzeit widmet Jean-Louis Rouhart sein Forschungsinteresse nach einer weiteren Studie zur Korrespondenz von GULag-Häftlingen der bislang wenig erforschten Briefkultur der sogenannten „Ostarbeiter“, die sich als ebenso vielschichtiges wie erkenntnisreiches Untersuchungsfeld erweist.
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