Coverabbildung: Forschungsarbeit, „Dietmar von Selbold-Gelnhausen und seine Verwandtengruppe“ von Michael Zieg; herausgegeben vom Geschichtsverein Gelnhausen e.V.

Dietmar von Selbold-Gelnhausen und seine Verwandtengruppe

Ein Beitrag zur Genealogie sächsisch-westfälischer Grafensippen in Hessen vom 9. bis zum 12. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung der „Tiemonen“ und deren Verbindungen zu den Reichsabteien Fulda, Hersfeld und Corvey

Hamburg , 272 Seiten

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[…] Auf mehr als 250 Seiten geht der Autor unter anderem den Fragen nach, welcher Familie Adelheid von Selbold entstammte, wer Dietmars Vater war, er blickt in die Geschichte der Tiemonen (eine andere Schreibweise für Dietmar ist Tiemo und Tiamma) und der Grafschaft an Eder und […]
Gelnhäuser Neue Zeitung, 29. März 2025

Zum Inhalt

Seit rund 200 Jahren beschäftigt die Wissenschaft die Frage, welcher Verwandtengruppe Graf Dietmar von Selbold-Gelnhausen entstammte. Bisherige Antwortversuche versuchten ihn in Bezug zu den späteren Grafen von Vornbach oder der konstruierten Sippe der Reginbodonen zu setzen.

In diesem Buch widerlegt der Autor die These einer Zugehörigkeit Dietmars zu den Reginbodonen. Anhand einer eingehenden Sichtung westfälischer Überlieferung des neunten bis elften Jahrhunderts gelingt es ihm, Dietmar der Verwandtengruppe der Tiemonen zuzuordnen. Diese im hessisch-westfälisch-niedersächsischen Länderdreieck nachweisbare Verwandtengruppe stand in engem Verhältnis zu den Ottonen, denen sie ihre Funktion als Grafen in diesem Raum zu verdanken hatte. Während der Salierzeit fanden zahlreiche Adlige dieser Gruppe über ihre Dienste als Vögte der Reichsabteien Hersfeld und Fulda den Weg in das Gebiet der historischen Wetterau.

Dem Autor gelingt es erstmals, Dietmar nicht nur als Untervogt der Reichsabtei Hersfeld zu erschließen, sondern auch als engen Gefolgsmann des Erzbischofs Ruthard von Mainz. Genau wie dieser förderte er das Kloster St. Alban zu Mainz durch Güterübertragungen in Nordhessen und schloss sich dessen oppositionellen Umfeld gegen Kaiser Heinrich IV. an, obwohl ihm wohl dieser eine Rodungsgrafschaft an der Kinzig zusätzlich zu seiner Grafschaft an der Eder übertragen hatte. Als verhängnisvoll für Dietmar erwies sich, dass seine mutmaßliche Tochter Gisela als Frau Friedrichs von Saarbrücken Schwägerin des Mainzer Erzbischofs Adalbert I. von Mainz wurde, was Dietmar und seine Grafschaft an der Kinzig in die kriegerischen Wirren der folgenden Jahre hineinzog.

Sein Erbe trat sein Enkel Dietrich an, der wohl durch Vermittlung Adalberts I. gräfliche Rechte in Gelnhausen ausüben konnte. Dietrich und ein weiterer Bruder mit Namen Egbert, Begründer des Hauses Tecklenburg, tauchen mehrfach in der Umgebung ihres Halbbruders Erzbischof Adalbert II. von Mainz auf. Ihre Schwester Agnes heiratete Friedrich von Schwaben, Barbarossas Vater, was die Nähe zum ersten Stauferkönig Konrad III. sicherte, der 1143 auch Dietmars Stiftsgründung in Selbold mit Reichszehnten ausstattete. Als Dietrichs Sohn Egbert von Gelnhausen nach 1151 verstarb war es ein weiterer Halbbruder seines Vaters, Simon von Saarbrücken, der die Grafenburg in Gelnhausen an das Bistum Mainz verkaufte.

Bibliografische Daten

Autor:innen Michael Zieg; herausgegeben vom Geschichtsverein Gelnhausen e.V.
Titel Dietmar von Selbold-Gelnhausen und seine Verwandtengruppe
Untertitel Ein Beitrag zur Genealogie sächsisch-westfälischer Grafensippen in Hessen vom 9. bis zum 12. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung der „Tiemonen“ und deren Verbindungen zu den Reichsabteien Fulda, Hersfeld und Corvey
Seiten 272
Erscheinungsjahr 2025
Erscheinungsdatum 29.01.2025
Ort Hamburg
ISBN (Print) 978-3-339-14286-3
eISBN (eBook) 978-3-339-14287-0
Schriftenreihe Studien zur Geschichtsforschung des Mittelalters
Band 49

Rezensionen

[…] Auf mehr als 250 Seiten geht der Autor unter anderem den Fragen nach, welcher Familie Adelheid von Selbold entstammte, wer Dietmars Vater war, er blickt in die Geschichte der Tiemonen (eine andere Schreibweise für Dietmar ist Tiemo und Tiamma) und der Grafschaft an Eder und Lahn, verfolgt das personelle Netzwerk zwischen sächsischen Edlen und den Reichsabteien Fulda und Hersfeld und geht der Geschichte des „Castrum Gelnhausen“ im 12. Jahrhundert nach. Die vermutlich hölzerne Burg der Grafen von Selbold-Gelnhausen befand sich höchstwahrscheinlich an der Stelle der heutigen Kaiserpfalz – also eine Burg schon vor der Burg. Der Autor geht in seinem Vorwort zudem ausführlich auf die Forschungsgeschichte zur Genealogie des Adelsgeschlechts ein und arbeitetet dabei präzise die methodischen Probleme des Fachgebiets heraus. Ein umfassender Überblick über den bisherigen Forschungsstand und eine ausführliche Bibliografie runden den Beitrag ab. Fazit der Redaktion: keine leichte Lektüre, aber eine lohnende.
Gelnhäuser Neue Zeitung, 29. März 2025
Der Autor ist durch seine Herausgabe der Gelnhäuser und Selbolder Regesten im hiesigen Raum kein Unbekannter. In diesem neuen Band geht es ihm darum, wie der Vorgänger staufischer Herrschaft in der „Barbarossastadt“ vor 1170, Graf Dietmar von Selbold-Gelnhausen, genealogisch einzuordnen ist. […] Jedenfalls gelingt es Zieg in akribischer Analyse, die These der Herkunft der Selbolder von den „Reginbodonen“ zu widerlegen und sie den „Tiemonen“ zuzuordnen. […] Warum investiert jemand derart viel Gehirnschmalz und Herzblut? Als Antwort bleibt wohl nur das, was George Mallory (1886–1924) auf die Frage antwortete, warum er den Everest besteigen wolle: „Weil er da ist“. Ein umfassendes Register hilft beim „Bergsteigen“, denn immer wieder tauchen Namen und Geschehnisse auf, die in der Geschichte des Untermaingebiets von Bedeutung sind.
Theodor Ruf in: Aschaffenburger Jahrbuch, Band 36 (2025)

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