Dissertation: Politische Architektur des frühen US-Kapitols in Washington, D.C.

Politische Architektur des frühen US-Kapitols in Washington, D.C.

Zur architektonischen Selbstdarstellung und zum architektonischen Selbstausdruck der USA

EX ARCHITECTURA – Schriften zu Architektur, Städtebau und Baugeschichte, Band 19

Hamburg , 488 Seiten

ISBN 978-3-339-12042-7 (Print)
ISBN 978-3-339-12043-4 (eBook)

Zum Inhalt

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In der Forschung über politische Architektur ist es gängige Praxis, mit dem Instrument der architektonischen Selbstdarstellung zu operieren. Parlaments- und Regierungsgebäude waren zumeist von Anfang an Bedeutungsträger und die politischen Botschaften, die an ihnen ablesbar werden sollten, waren gezielt an und mit ihnen in Szene gesetzt worden. Mit dem neuen wissenschaftlichen Ansatz des architektonischen Selbstausdrucks versucht David Asatiani eine semantische Abgrenzung von der architektonischen Selbstdarstellung zu schaffen. Beim architektonischen Selbstausdruck unterordnet sich die baukünstlerische Gestaltung einer mehr oder minder unbewusst zum Ausdruck kommenden Grundhaltung der Verhaltens- und Handlungsformen der Gesellschaft. Er soll die Bürgerzugänglichkeit und Offenheit an den Bauten kolonialer Selbstverwaltung der Amerikaner/innen und am frühen US-amerikanischen Kapitol in Washington in erster Linie durch Aussichtsplattformen, Zuschauergalerien und Freitreppen an den Tag legen. Diese Bürgerzugänglichkeit und Offenheit waren nicht Ergebnis theoretischer Überlegungen über das Verhältnis von Demokratie, Parlament und Öffentlichkeit, sondern eine der Begründung nicht bedürfende Selbstverständlichkeit in einer politischen Kultur, die zutiefst von einem Partizipationsethos geprägt war, das sich der „vorrevolutionären Siedlungsdemokratie“ verdankte.

Eindeutiger und spektakulärer Höhepunkt der Darstellung von Bürgernähe und Öffentlichkeit in der politischen Architektur der USA war ohne Zweifel die Rotunde des US-Kapitols. Dokumenthafte Darstellungen sowie einfache und sinnfällige republikanische Inhalte der Historienmalerei in der Rotunde ermöglichten die Wahrnehmung, das Verständnis und die Akzeptanz durch ein breites Publikum. Auch wenn die Entwicklung von identitätsstiftenden Strategien eine deutlich elitistische Angelegenheit war und von den Eliten oft zu selbstreferenziellen Bezügen umgemünzt wurde, so mindert das keineswegs die öffentliche Bedeutung der Rotunde. Durch ihren Öffentlichkeitsbezug wurde das architektonische Konzept der öffentlichen Zugänglichkeit in Verbindung mit den Ost- und Westfassaden des Gebäudes, insbesondere aber mit dessen Freitreppe, überhaupt erst gültig und real umsetzbar.

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