Forschungsarbeit: Politische Ökonomie der Religionen

Politische Ökonomie der Religionen

Ökonomie in Staat, Kirche und Gesellschaft, Band 5

Hamburg 2019, 506 Seiten
ISBN 978-3-339-11328-3 (Print), ISBN 978-3-339-11329-0 (eBook)

Alleinvertretungsanspruch, Gesellschaftspolitik, Gewalt der Religionen, Intoleranz der Religionen, Monotheismus, Neue Politische Ökonomie, Ökonomie, Politik, Politische Macht, Politische Ökonomie, Religion, Weltreligionen

Zum Inhalt

deutsch | english

Dieser 5. Band der Reihe Ökonomie in Staat, Kirche und Gesellschaft befasst sich mit der Politischen Ökonomie der Religionen, nachdem die beiden vorhergehenden Bände 3 und 4 den ökonomischen und den rechtlichen Aspekten der Religionen gewidmet waren.

Das zentrale Thema der Politischen Ökonomie (der Religionen) in ihrer Herangehensweise als soziologischer und politikwissenschaftlicher Forschungsansatz ist die Verteilung gesellschaftlicher Ressourcen: Geld, Macht, Legitimität zwischen den verschiedenen Gruppen in Staat und Gesellschaft sowie die Mechanismen – z. B. Markt, Tausch, Vernetzung, Kooperation, Hierarchie –, die ihre Akkumulation und (Re-)Distribution sicherstellen. Im Blickfeld stehen dabei die Beziehungen zwischen gesellschaftlicher Organisation der Produktion, die Akteure, Institutionen und Organisationen des politischen Systems sowie die Artikulation sozialer Politiken und Interventionen innerhalb der Gesellschaft. Dabei kommt dem sogenannten Ökonomischen Prinzip interessegeleiteter Akteure (Eigennutzmaximierende Politiker, Parteien, Institutionen…) eine tragende Rolle zu.

In diesem Umfeld sind Religionen nach wie vor Big Player der faktischen staatlichen Machtausübung und der Umverteilung volkswirtschaftlicher Ressourcen, obwohl sie weder in der Verfassung (Weimarer Reichsverfassung WRV von 1919 und Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland GG von 1949) demokratisch legitimiert sind, politische Gewalt auszuüben, noch an der staatlichen Sozial- und Verteilungspolitik beteiligt zu werden. Stattdessen ist das Grundrecht der Religionsfreiheit als allgemeines Menschenrecht prinzipiell eher der privaten Sphäre der Gläubigen als den Religions-Hierarchien als Institutionen zugedacht. Allerdings ist die deutsche Verfassung in diesem Punkt aufgrund historischer Staatsverflechtung mit den Kirchen sehr inkonsequent, denn sie bietet den Religionen seit der Trennung von Kirche und Staat vor genau 100 Jahren als Körperschaften des öffentlichen Rechts (KöffR der WRV in Art. 140 GG) einen breiten Raum tiefgreifender gesellschaftspolitischer Einflussnahmen – von der Beteiligung an Rundfunkräten über Ethikkommissionen bis hin zur Militärseelsorge durch staatlich alimentierte Bischöfe sowie der staatlichen Ausbildung von christlichen Theologen und islamischen Religionslehrern (Imamen).

Beginnend mit den 1990er Jahren befasst sich die Forschung zur Politischen Ökonomie mit den kulturellen Dimensionen von Macht, Staat und Wirtschaft. In jüngster Zeit erst hat sich die Kulturelle Politische Ökonomie der Rolle der Medien, der Werte-Diskussionen und der Diskurse in Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zugewandt.

Dieses Buch zur Rolle der Religionen schließt hier an, um eine bedeutende Forschungslücke zu schließen, die bisher auch in der Neuen Politischen Ökonomie keine Beachtung gefunden hat – weder bei Ökonomen noch Soziologen oder Politologen und Theologen.



Informationen über das Veröffentlichen wissenschaftlicher Arbeiten.

nach oben