Doktorarbeit: Rechtsvergleichende Studie zur elterlichen Sorge – USA und Deutschland

Rechtsvergleichende Studie zur elterlichen Sorge – USA und Deutschland

Die Auswirkungen auf das Umgangs- und Sorgerecht bei Änderung des Kindesaufenthalts durch einen Elternteil

Studien zum Familienrecht, Band 65

Hamburg , 254 Seiten

ISBN 978-3-339-10864-7 (Print)
ISBN 978-3-339-10865-4 (eBook)

Zum Inhalt

Das Kindschaftsrecht in Deutschland und in den USA befindet sich im Wandel. In Deutschland wurde im Jahr 2013 eine der umfangsreichsten Reformen im Sorge- und Umgangsrechts durch den Gesetzgeber umgesetzt. In den USA wird seit 2009 auf nationaler Ebene an der Vereinheitlichung des Kindschaftsrechts gearbeitet.

Der Verfasser beschäftigt sich mit einem Teil des US-amerikanischen und deutschen Kindschaftsrechts. Es wird die rechtliche Behandlung von Fällen dargestellt, in denen ein Elternteil unter Mitnahme des Kindes seinen Lebensmittelpunkt verändern möchte. In den USA wird diese rechtliche Problematik als „Parental Relocation’“ – zu Deutsch „Elterlicher Wegzug“ – bezeichnet.

Die besondere Relevanz dieser Thematik erwächst aus dem gesellschaftlichen Wandel moderner Industrienationen. Der Lebensstil in den westlichen Gesellschaften ist schnelllebig. Moderne Transportmittel ermöglichen kurzfristige räumliche Veränderungen. Die Fernkommunikation ersetzt immer häufiger den persönlichen Kontakt. In Zeiten, in denen Arbeitgeber und der Arbeitsmarkt größere Flexibilität fordern, sind ein Umzug und die Verlagerung des Lebensmittelpunktes nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel. In den Jahren 2008 und 2009 sind 37,1 Mio. US-Bürger umgezogen, dies entspricht bei einer Gesamtbevölkerung von 308 Mio mehr als 10 Prozent der Bevölkerung.2 Davon sind 67,3 % innerhalb eines County umgezogen, 17,2 % sind aus einem County in ein anderes County des gleichen Staates und 12,6% sind in einen anderen US-Bundesstaat gezogen. 13,9% aller Kinder im Alter von 1-17 in den USA ziehen jährlich um. Umzüge beruhen auf einer Vielzahl von Gründen: neue Partnerschaften, Arbeitsplatzverlust und sich anschließende berufliche Neuorientierung, Versetzungen, Aus- und Weiterbildungen.

Eine emotionale und wirtschaftliche Trennung vom bisherigen Partner (bzw. der Familie) kann den Wunsch nach räumlicher Trennung hervorrufen, ohne, dass der wegziehende Elternteil in erster Linie die Beziehung zwischen dem Kind und dem anderen Elternteil tangieren möchte. Wie stark die tatsächlichen Folgen einer Trennung in diesem Zusammenhang sind, wird an folgender Statistik deutlich: Das Verhältnis der jährlichen Eheschließungen und Ehescheidungen in den USA beträgt annähernd 2:1. Fast jede zweite amerikanische Ehe wird geschieden. Ungefähr 1 Mio. Kinder sind in den Vereinigten Staaten von Scheidungen betroffen. Davon ziehen ca. 750.000 Kinder mit dem sorgeberechtigten Elternteil vom angestammten Wohnort fort. Drei von vier sorgeberechtigten Müttern wechseln innerhalb von vier Jahren nach der Scheidung mindestens einmal den Wohnort, über die Hälfte davon mehr als einmal. Hat ein Elternteil aufgrund der Trennung das alleinige Sorge- und Aufenthaltsbestimmungsrecht und verlagert dieser Elternteil seinen Lebensmittelpunkt in einen anderen Teil des Landes oder des Bundesstaates, wird es für den zurückbleibenden Elternteil schwer, wenn nicht sogar unmöglich, Umgang mit dem gemeinsamen Kind zu pflegen. Es besteht die Gefahr, dass ein solcher Umzug die Beziehung zwischen dem zurückbleibenden Elternteil und dem Kind nachhaltig beschädigt.

Rechtsstreitigkeiten, welche die „Relocation“-Problematik zur Grundlage haben, gelten in den USA als äußerst kompliziert. Das liegt zum einen an der dem Familienrecht eigenen psychischen Belastung der Beteiligten. Zum anderen fehlt es an entsprechenden Lösungsmodellen durch Gesetz und Rechtsprechung. Viele Fälle enden als „no-win cases“ für das Kind, das damit den jeweiligen Interessen der Eltern „geopfert“ wird.

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