Dissertation: Die standes- und gesellschaftspolitische Diskussion in der Allgemeinen Homöopathischen Zeitung von 1920 bis 1960

Die standes- und gesellschaftspolitische Diskussion in der Allgemeinen Homöopathischen Zeitung von 1920 bis 1960

Schriften zur Medizingeschichte, Band 8

Hamburg 2018, 314 Seiten
ISBN 978-3-339-10224-9

Allgemeine Homöopathische Zeitung AHZ, Fachzeitschrift, Gesellschaftspolitische Diskussion, Haug Verlag, Homöopathie, Medizingeschichte, Nationalsozialismus, Standespolitik

Zum Inhalt

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Die Allgemeine Homöopathische Zeitung (AHZ) erscheint seit 1832 (und bis heute) mitunter auch als Organ des 1829 zum 50-jährigen Doktorjubiläum Hahnemanns gegründeten Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte. Sie gilt damit als älteste editierte medizinische Zeitschrift Deutschlands. In ihren Anfängen war sie Ausdruck einer aufstrebenden Homöopathie des frühen 19. Jahrhunderts und erfüllte den Wunsch nach einem Medium des geistigen Erfahrungsaustausches, in dem alles, was der homöopathischen Lehre und Gemeinschaft förderlich war, bekannt gegeben werden sollte. Es sollten Krankengeschichten ebenso wie Arzneimittelprüfungen, aber auch die Stellung der Homöopathie in der Gesellschaft beschrieben werden; das Verhältnis zu den Regierungen und den allopathischen Ärzten sollte beleuchtet und unterdrückende Verfügungen öffentlich gemacht werden können. So gesehen wurde mit Erscheinen der AHZ der homöopathischen Gemeinde eine politische Stimme gegeben, welche dem inneren Ausbau der Homöopathie als Lehre und Wissenschaft, aber auch dem Auftritt der Standesgemeinschaft nach außen dienlich sein sollte. In Anlehnung an die Fragestellung des DFG-Projektes „‚Politik‘ in deutschen und britischen Fachjournalen von der Zwischenkriegszeit bis in die 1950er Jahre“, welches an der Medizinischen Hochschule Hannover im Institut für Geschichte, Ethik und Philosophie der Medizin unter der Leitung von Sigrid Stöckel und Brigitte Lohff angesiedelt war, sollte in dieser Abhandlung die standes- und gesellschaftspolitische Diskussion im Spiegel der AHZ als deutsche homöopathische Fachzeitschrift für den o. g. Zeitraum, der gekennzeichnet war durch gesellschaftliche Umbrüche, nachgezeichnet werden. Hierzu wurden sämtliche Beiträge zur standes- und gesellschaftspolitischen Diskussion für den Zeitraum 1920-1960 berücksichtigt. Die Analysen beruhten auf einer durchgeführten Register-Recherche und einer Digitalisierung aller Beiträge der Bände von 1920-1948; außerdem wurde die vom Haug Verlag editierte DVD mit dem Titel AHZ Erfahrungsschatz Homöopathie – Jahrgänge 1948–2002 für die Sichtung von Beiträgen eingesehen. Eine Analyse der jeweiligen Themenschwerpunkte erfolgte quantitativ, gemessen am Umfang, und qualitativ, gemessen am Inhalt innerhalb der drei Zeitabschnitte Weimarer Republik, Nationalsozialismus und Nachkriegszeit. In der Gesamtschau der Auswertung zeigt sich, dass neben dem Schwerpunkt der fachspezifischen und fortbildungsrelevanten Themen das Hauptaugenmerk auf Themen der Standespolitik gelegt wurde, die sich in erster Linie mit dem Verhältnis zur Schulmedizin, dem Verhältnis der homöopathischen Richtungen untereinander und dem Verhältnis zur internationalen Homöopathie befassten, aber auch identitätsstiftend die Geschichte der Homöopathie um Hahnemann darlegten. Dabei wurde insbesondere das Meinungsbild der wissenschaftlich orientierten Homöopathen vertreten, um eine Annäherung an die Schulmedizin zu erreichen. Insgesamt hielt man sich mit gesellschaftspolitischen Äußerungen zur Staats- und Weltpolitik zurück. Eine Ausnahme machte die Verortung der Homöopathie in die Neue Deutsche Heilkunde im Dritten Reich, die von Seiten der Schriftleiter aus Gründen des Selbstzwecks und in Hinblick auf eine immer wieder eingeforderte Anerkennung der homöopathischen Lehre durch die Schulmedizin unterstützt wurde.



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