Forschungsarbeit: Gewalt und Gerechtigkeit

Gewalt und Gerechtigkeit

Historische Miniaturen

Geschichtswissenschaftliche Studien, Band 1

Hamburg , 122 Seiten

ISBN 978-3-339-10070-2 (Print)
ISBN 978-3-339-10071-9 (eBook)

Zum Inhalt

In diesem Buch geht es um Gerechtigkeit in der Geschichte. Das klingt erbaulich, muss aber im Zusammenhang mit dem anderen geschichtlichen Faktum – der Gewalt – gesehen werden. Man kann zeigen, dass mindestens da, wo große Gewalt auf die Menschen ausgeübt wurde, ein Gefühl und Bewusstsein von Ungerechtigkeit in ihnen erwachte, dem offenbar ein Selbstverständnis des Menschen von Gerechtigkeit zugrunde liegt. Schon im Kleinen, bei Kindern, ist dies sehr stark ausgeprägt.

Politiker, denen es um Vergrößerung ihrer Macht ging und die zu diesem Zweck Gewalt anwendeten, kannten solche Zusammenhänge sehr wohl. Als Hitler am 1. September 1939 den Zweiten Weltkrieg mit über 50 Millionen Toten auslöste, verbreitete er vor dem Reichstag und über Rundfunksender die Lüge, polnische Truppen hätten den deutschen Sender Gleiwitz überfallen (in Wirklichkeit deutsche Soldaten in polnischer Uniform), und mit dröhnender Stimme fügte er hinzu: „Ab 4.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen!“ Gewalt gegen Gewalt, und das ist doch gerecht! Hätte es keine anderen Möglichkeiten gegeben? Die Vermittlung dritter Staaten oder des schon 1899 geschaffenen Internationalen Haager Schiedsgerichtshofs?

Geschichtspessimisten, die sich gern als Realisten bezeichnen, weisen auf die dicke Blutspur hin, die sich durch die Menschheitsgeschichte zieht. Im 20. Jahrhundert habe es zwei Weltkriege gegeben, und in den 40 Jahren nach dem Ende des Zweiten 140 weitere Kriege weltweit. Von den die gesamte Menschheit bedrohenden Atomwaffenarsenalen ganz zu schweigen.

Was hier genannt wird, sind Tatsachen; aber einseitige. Diese Darstellung will zeigen, dass es immer auch Politiker gab, denen es um eine gerechte Gesellschaft ging. Sie waren einflussreich, aber nicht immer und über sie hinaus erfolgreich. Andere sind gekommen, um ihre Politik fortzusetzen. In demokratischen Staaten sind es heute nicht nur überragende Einzelne, die unsere Zukunft bestimmen; eine aktive Zivilgesellschaft ist daran mitbeteiligt.

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