Wissenschaftsverlag Dr. Kovač
 
 
Verlag Dr. Kovac, Hamburg
 

Sarah Vandendriessche

Possessio und Dominium im postklassischen römischen Recht
Possessio und Dominium im postklassischen römischen Recht
Eine Überprüfung von Levy's Vulgarrechtstheorie anhand der Quellen des Codex Theodosianus und der Posttheodosianischen Novellen



Rechtsgeschichtliche Studien, Bd. 16
 
Hamburg 2006, 320 Seiten

ISBN-13: 978-3-8300-2379-1
ISBN-10: 3-8300-2379-0
 

»[…] Ihr Ergebnis ist eindeutig. Nach ihren Untersuchungen kann die Vulgarisierung aus der Benutzung von possessio und dominium nicht nachgewiesen werden. Lediglich an zwei Stellen könne die Benutzung von possessio tatsächlich eher problematisch genannt werden. Umgekehrt bedeute dominium in allen untersuchten Quellen Eigentum und sei nicht mit possessio verwechselt worden, weshalb die Behauptung, dass man nicht mehr zwischen Eigentum und Besitz unterschieden habe oder unterscheiden habe können, verfehlt sei, weil sie von den Quellen des Codex Theodosianus nicht gestützt werde. Dieses Ergebnis erscheint bedeutsam. Es wird abzuwarten sein, ob es sich bei den romanistischen Sachkennern durchsetzen kann. Es wird aber in jedem Fall dazu führen müssen, die vielfach übernommenen Thesen Ernst Levys sorgfältiger zu prüfen als bisher.«

Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, 2008, Bd. 125



Zum Inhalt:

Gegenstand der Untersuchung von Sarah Vandendriessche ist die Verwendung der Worte dominium und possessio im Codex Theodosianus. Es wird die Frage gestellt, ob im postklassischen Recht die juristische Begrifflichkeit so degenerierte, dass man nicht mehr zwischen Eigentum und Besitz zu unterscheiden vermochte. Ausgangspunkt der Arbeit sind die Stellungnahmen von Ernst Levy in Bezug auf das Sachenrecht in der Spätantike in seinem Buch "West Roman Vulgar Law". Levy behauptet, dass der wichtige Unterschied zwischen possessio und dominium sich verwischt habe. Im Mittelpunkt steht die Verwendung der Worte possessio und dominium. Es wird einerseits nachgegangen, ob tatsächlich possessio benutzt wird, um Eigentum anzudeuten. Anderseits wird analysiert, ob dominium in diesen Quellen benutzt wird, um possessio anzudeuten. Der Befund soll eine Antwort auf die Frage nach der "Vulgarisierung" des postklassischen römischen Rechts geben, insoweit die Vulgarisierung das Verständnis des Konzeptes dominium und possessio betrifft.

Im ersten Kapitel werden Levys Vulgarrechtstheorie und die Diskussion bezüglich seiner Befindungen besprochen.

Im zweiten Kapitel werden die Quellen des Codex Theodosianus, in denen possessio und ähnlich benutzt wurden, besprochen. Es stellt sich heraus, dass das nicht der Fall war. Es wird ge zeigt, dass possessio ihre Bedeutung der tatsächlichen Herrschaft behalten hat.

Im dritten Kapitel dieser Arbeit werden die Quellen untersucht nach der Benutzung von dominium statt possessio. Auch dort zeigt sich, dass dominium in den Quellen nicht in der Bedeutung von possessio benutzt wurde

Aus der Untersuchung von Sarah Vandendriessche ergibt sich also , dass die Quellen des Codex Theodosianus und der Novellen, welche die Worte "possessio" oder "dominium" enthalten, nicht die These der Vulgarierung des postklassischen römischen Rechts bestätigen.

Schlagworte

Römisches Recht, Eigentum und Besitz, Vulgarrecht, Spätantike, Ernst Levy, Rechtswissenschaften



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Letzte Aktualisierung am 20.08.2010, 13:56
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