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Dissertation: Hans Grischkat (1903-1977) - Ein Bachinterpret der Jugendmusikbewegung in Württemberg - eine Biographie

Klaus Peter Leitner

Hans Grischkat (1903-1977) - Ein Bachinterpret der Jugendmusikbewegung in Württemberg - eine Biographie

Schriften zur Kulturwissenschaft, Band 32

Hamburg 2000, 432 Seiten
ISBN 978-3-8300-0122-5

Zum Inhalt

Die Jugendmusikbewegung ist heute vom Vergessen bedroht. Die Großvätern-Generation, die selbst noch aktiv in der Jugendmusikbewegung stand, wird zunehmend kleiner. Die Väter-Generation ist geprägt von der Abkehr von den Idealen des Gemeinschaftserlebnisses und kann selbst nur aus zweiter Hand von dieser Zeitströmung berichten. Die Jugend kennt diese Zeiterscheinung nur noch aus Büchern.

Neben den Leitfiguren Fritz Jöde und Walther Hensel wirkte im württembergischen Raum Hans Grischkat, der sich im besonderen der Bachrezeption annahm. In diesem Buch wird die Entwicklung der Jugendmusikbewegung ab den 20er Jahren bis in die Nachkriegszeit hinein dargestellt. Anhand des umfangreichen Nachlasses von Hans Grischkat, der in Reutlingen und Stuttgart wirkte, dessen Arbeit für die Jugendmusikbewegung jedoch im ganzen süddeutschen Raum prägend war, entstand ein Überblick über diese Bewegung unter besonderer Berücksichtigung der Bachrezeption und -adaption auch in der Laienmusik. Wichtig hierfür war Fritz Jöde, dem Grischkat nahe stand und dessen Ideale er auch umsetzte. Höchst interessant ist die hier erstmals publizierte Verteidigungsschrift Jödes "In eigener Sache", mit der er sich gegen die Angriffe der Nationalsozialisten wehrte.

Grischkat selbst wirkte pragmatischer. 1926 führte er erstmals in Württemberg die Johannes Passion von Bach "ungekürzt und mit sämtlichen alten Instrumenten" auf, mit der Aufführung der Matthäus Passion 1935 dann gelangte Grischkat zu einer originalgetreuen Interpretation, die fortan das Bachbild im süddeutschen Raum bestimmte. Auch initiierte er große Treffen der Jugendmusikbewegung, auf denen die unterschiedlichen Strömungen innerhalb der Bewegung deutlich hervortraten. Für die Nationalsozialisten war es ein leichtes, die Ideen der Jugendmusikbewegung und ihren Gemeinschaftssinn für sich zu vereinnahmen. Das gemeinschaftliche Erlebnis wurde auf diese Weise politisiert.

Nach dem II. Weltkrieg tat sich die Bewegung dann schwer, die Jugendlichen für sich zu begeistern. Zwar versuchte sie, die Jugend in ihren Reihen zu binden. Doch waren die Mittel hierfür ungeeignet. Da die Jugendmusikbewegung sich der zeitgemäßen Musikentwicklung verschloss und die moderne Tonsprache aus ihrem Selbstverständnis heraus ablehnen musste, fand sich kein großer Komponist, der bereit gewesen wäre, ihre Ideen zu unterstützen. Diejenigen Komponisten, die für die Jugendmusikbewegung aktiv waren, sind heutzutage bereits in Vergessenheit geraten. Neuere Lexika kennen ihre Namen gar nicht mehr.

Die Bewegung selbst ist heute ebenfalls nicht mehr existent. Nachdem sie ihre Anfänge aus der Jugendbewegung heraus mit dem Finden von Volksliedern überwunden hatte und sich auf ihrem Höhepunkt vor 1933 mit der Erkundung neuer musikalischer Formen ebenso beschäftigte wie mit der (Wieder-)Erweckung älterer Musik, konnte sie nach dem zweiten Weltkrieg die Jugend nicht mehr binden. Aus der Jugendmusikbewe-gung entwickelte sich eine "Altenmusikbewegung", die ihrem überkommenen Wunschbild frönte und sich aus reinem Selbstzweck am Leben erhielt. Solange noch eine Gemeinschaft Gleichaltriger bestand, war auch die Jugendmusikbewegung existent. Doch mit fortschreitender Zeit war die einst mit hohen Idealen angetretene Bewegung unwiderruflich ihrem Untergang in die Versenkung der Geschichte geweiht.

Neben der Darstellung der Jugendmusikbewegung wird in besonderer Weise auch auf die Zustände der Städte Reutlingen und Stuttgart eingegangen und deren musikgeschichtliche Entwicklung im 20. Jahrhundert näher beleuchtet. Vor allem konnte für Reutlingen die höchst interessante Geschichte des Berufsorchesters vor und während der Zeit des Nationalsozialismus erstmals untersucht und aufgezeigt werden.

Schlagworte

Hans Grischkat, Johann Sebastian Bach, Fritz Jöde, Walther Hensel, Jugendmusikbewegung, 20. Jahrhundert, Bachrezeption, Laienmusik, Kulturwissenschaften

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aktualisiert am 15.05.2010 15:55